Kiew/Washington (dpa) - Zwei Monate vor der Präsidentenwahl in der Ukraine hat Ex-Ministerpräsidentin Julia Timoschenko offiziell ihre Kandidatur erklärt. Beim Kongress ihrer Vaterlandspartei Ende März wolle sie sich von den Delegierten bestätigen lassen, sagte die 53-Jährige.

Die Ikone der Orangenen Revolution von 2004 hatte zuletzt mit unverhohlenen Drohungen gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin Irritationen ausgelöst. Die Wahl ist für den 25. Mai angesetzt. 2010 hatte Timoschenko die Stichwahl um das Präsidentenamt gegen ihren mittlerweile gestürzten Erzrivalen Viktor Janukowitsch verloren.

Timoschenko hatte in einem offenbar abgehörten Telefonat gesagt: "Ich bin selbst bereit, eine Kalaschnikow in die Hand zu nehmen und dem Dreckskerl in den Kopf zu schießen." In Umfragen lag sie zuletzt auf Rang zwei - gleichauf mit Ex-Boxweltmeister Vitali Klitschko, aber abgeschlagen hinter dem Milliardär Pjotr Poroschenko.

Derweil hat die Vollversammlung der Vereinten Nationen mit großer Mehrheit die Annexion der Krim durch Russland verurteilt. Eine entsprechende Resolution fand am Donnerstag in New York die Zustimmung von 100 Staaten, nur 11 stimmten dagegen. 58 enthielten sich. Deutschland stimmte dafür.

Das Papier appelliert an die internationale Gemeinschaft, keine Veränderung der ukrainischen Grenzen anzuerkennen und eine diplomatische Lösung der Krise zu suchen. Das Referendum auf der Schwarzmeer-Halbinsel solle nicht anerkannt werden. Russland wird nicht namentlich genannt. Ein Vetorecht wie im UN-Sicherheitsrat gibt es in der Vollversammlung nicht, die Resolutionen sind allerdings nicht bindend.

Die Ukraine steht unterdessen "am Rande des finanziellen und wirtschaftlichen Bankrotts", wie Regierungschef Arseni Jazenjuk in Kiew feststellte. Massenentlassungen und soziale Einschnitten sollen die Weichen für dringend benötigte internationale Finanzhilfen stellen. Die Behörden wurden angewiesen, etwa 24 000 ihrer insgesamt 249 000 Angestellten zu entlassen.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) kündigte vorläufig ein zweijähriges Hilfsprogramm von 14 bis 18 Milliarden US-Dollar für Kiew an. Damit könnten in diesem Zeitraum insgesamt 27 Milliarden Dollar (19,6 Milliarden Euro) internationale Hilfsmittel freigesetzt werden, teilte der IWF mit. Im Gegenzug hatte die Organisation weitreichende Wirtschaftsreformen gefordert.

Kremlchef Putin sorgt sich derweil um das wirtschaftliche Wohl der einverleibten Krim. Er rief das Parlament in Moskau auf, die Versorgung der von Kiew abtrünnigen Halbinsel schnell gesetzlich zu regeln. "Die Entwicklung der Wirtschaft sowie der sozialen Sphäre muss gewährleistet sein", sagte der Präsident bei einem Treffen mit Mitgliedern des Föderationsrats. Er sehe "noch viele Fragen offen".

Der russische Regierungschef Dmitri Medwedew forderte das Finanz- und das Wirtschaftsministerium auf, bis zum 15. April einen Plan zur Eingliederung der Krim zu erstellen. Denkbar sei, die Halbinsel als "Sonderzone" mit besonderen Steuererleichterungen und Subventionen einzustufen, sagte Medwedew. Zudem will Moskau seine Militärpräsenz auf der Krim etwa mit der Stationierung von Überschallbombern und einem modernen Hubschrauberträger in den nächsten Jahren verstärken.

Die meisten Russen empfinden einer Umfrage zufolge Stolz und ein "Gefühl historischer Gerechtigkeit" nach dem international nicht anerkannten Anschluss der Krim. Die Krim-Politik des Kremls sei auch ein Ausdruck für "Russlands Wiederkehr als Großmacht", meinten 79 Prozent der Befragten, wie das unabhängige Lewada-Institut in Moskau mitteilte. Putin selbst kommt auf Zustimmungsrekordwerte von mehr als 80 Prozent.

Der ukrainische Regierungschef Jazenjuk kündigte in Kiew an, Sonderrenten für Staatsanwälte, Richter und die Miliz zu streichen. Ohne Reformen drohe die Wirtschaft in diesem Jahr um zehn Prozent zu schrumpfen, sagte er. Beobachter befürchten aber ein weiteres Ausufern der Korruption angesichts der geplanten Einschnitte.

Die Regierung werde das Existenzminimum nicht antasten, versprach Jazenjuk. Den oft in ärmlichen Verhältnissen lebenden Rentnern stellte er einen Ausgleich für die Inflation in Aussicht, die im laufenden Jahr bis zu 14 Prozent betragen könnte. Den Finanzbedarf der Ukraine bezifferte er auf umgerechnet 20 Milliarden Euro - eine Summe, die auch andere Kabinettsmitglieder schon genannt hatten.

Der Staatskonzern Naftogas hatte zuvor bereits angekündigt, den Gaspreis für die Bevölkerung ab dem 1. Mai um 50 Prozent zu erhöhen - eine Voraussetzung für den überlebenswichtigen IWF-Kredit.

Mitteilung IWF