Frankfurt/Main (dpa) - Eine überraschend niedrige Teuerung in Europa hat die Kurse an den Aktienmärkten wegen der Hoffnung auf noch billigeres Geld von der Europäischen Zentralbank (EZB) weiter steigen lassen.

In Spanien gingen die Verbraucherpreise im März sogar zurück, in Deutschland legten die Preise so wenig zu wie seit Mitte 2010 nicht mehr. Der Dax gewann am Freitag 1,08 Prozent auf 9553 Punkte. Auf Wochensicht steuert der deutsche Leitindex damit auf ein Plus von mehr als zwei Prozent zu. Der MDax stieg um 0,49 Prozent auf 16 415 Punkte, der TecDax kletterte um 0,38 Prozent auf 1245 Punkte. Der EuroStoxx 50 legte um 0,85 Prozent zu.

Spanien rutschte im März in die Deflation und überraschte damit die Experten. Die Verbraucherpreise fielen auf Jahressicht nach ersten Schätzungen erstmals seit Oktober 2009. Die viertgrößte Euro-Volkswirtschaft kämpft schon lange mit einem ungewöhnlich niedrigen Preisauftrieb. Auch in Deutschland schwächte sich die Teuerung ab, die Preise lagen nach einer Schätzung des Statistischen Bundesamts 1,0 Prozent über denen vor einem Jahr - die niedrigste Rate seit August 2010.

Bankvolkswirte hatten mit einer Steigerung um 1,1 Prozent gerechnet. Die Wahrscheinlichkeit dafür, dass die EZB in der kommenden Woche weitere stützende Maßnahmen ergreift, ist damit laut Experten gestiegen. Noch billigeres Geld von der EZB würde nach Ansicht von Händlern auch die Aktienkurse weiter nach oben treiben.

Bewegung gab es kurz vor dem Wochenende bei Einzelwerten vor allem in den hinteren Reihen. Aktien von ElringKlinger sprangen nach endgültigen Zahlen um fünfeinhalb Prozent an die MDax-Spitze.

Papiere der Deutsche Wohnen legten um mehr als ein Prozent zu. Das Immobilienunternehmen hat wegen steigender Mieten ist dank der Zukäufe in den vergangenen Jahren weiter gewachsen. Die Dividende soll in diesem Jahr um knapp ein Viertel auf 0,42 Euro steigen. Insgesamt untermauere die Bilanz den Eindruck, dass die Deutsche Wohnen strikt auf die Kosten achte, kommentierte ein Analyst.

Am Ende des MDax fielen Aktien von Sky Deutschland mit fast minus vier Prozent auf das niedrigste Niveau seit August zurück. Zweitbester Wert waren Titel der Norma Group mit mehr als vier Prozent plus. Händler verwiesen auf positive Einschätzungen von Analysten.

Die Aktien von Xing drehten im Laufe des Vormittags ins Plus und gewannen zuletzt fast ein Prozent dazu. Das Online-Karrierenetzwerk hatte am Vorabend mitgeteilt, dass der Gewinn wegen Bilanzierungsänderungen im vergangenen Jahr geringer ausfällt als zunächst gedacht. Analysten blieben allerdings gelassen. Die Geschäfte bei der Internetplattform laufen ihnen zufolge gut.

Am deutschen Rentenmarkt fiel die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 1,26 Prozent am Vortag auf 1,24 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,08 Prozent auf 134,97 Punkte.

Für den Bund-Future ging es um 0,06 Prozent auf 143,76 Punkte nach oben. Der Kurs des Euro gab zunächst nach, erholte sich aber zuletzt wieder und notierte bei 1,3757 Dollar. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,3759 (Donnerstag: 1,3758) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7268 (0,7269) Euro.