Nürnberg (dpa) - Der wieder rund laufende Konjunkturmotor hat im März für einen kräftigen Schub auf dem deutschen Arbeitsmarkt gesorgt. Die Zahl der Arbeitslosen sank zum Frühjahrsbeginn so stark wie zuletzt im Boomjahr 2012.

Das geht aus den am Dienstag veröffentlichten Arbeitslosenzahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervor. Insgesamt waren im März 3,055 Millionen Männer und Frauen ohne Arbeit - und damit 83 000 weniger als im Februar und 43 000 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote sank als Folge des kräftigen Frühjahrsaufschwungs im Vergleich zum Vormonat um 0,2 Punkte auf 7,1 Prozent.

"Im März hat sich die gute Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt fortgesetzt. Neben der üblichen Frühjahrsbelebung kommt auch die gute Konjunktur auf dem Arbeitsmarkt an", sagte BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise.

Der BA-Chef zeigte sich zuversichtlich, dass von dieser guten Entwicklung in diesem Jahr Arbeitslose stärker als bisher profitieren werden. Im vergangenen Jahr hatten vor allem EU-Zuwanderer und in den Beruf zurückkehrende Frauen von den neu geschaffenen Stellen profitiert. Dadurch war die Zahl der Erwerbslosen trotz Stellenbooms kaum gesunken.

Weise ist ebenso wie viele Konjunkturforscher fest davon überzeugt, dass die Wirtschaft in diesem Jahr deutlich stärker wächst als 2013. "Es gibt einen erheblichen Nachholbedarf bei den Investitionen im gesamten Anlagenbereich, der private Konsum wächst und auch die Staatsausgaben verlaufen in diesem Jahr expansiver", machte Weise deutlich. Zudem zeichne sich eine Erholung der Weltwirtschaft ab.

Auswirkungen der Kim-Krise fürchtet Weise vorläufig nicht. Dazu seien die Exporte von Deutschland in die Ukraine mit einem Anteil von 0,5 Prozent zu gering, sagte er. Sähe sich die EU allerdings zu Wirtschaftssanktionen gegenüber dem wichtigen Importland Russland gezwungen "und würde diese Lage länger dauern, hätte es auch Einfluss auf den deutschen Arbeitsmarkt".

Dass die gute Konjunktur bereits auf dem Arbeitsmarkt spürbar sei, zeigt nach Weises Einschätzung auch die um jahreszeitliche Sondereffekte bereinigte Arbeitslosenzahl: Auch ohne den im März stark ausgeprägten Saisoneffekt wäre die Zahl der Erwerbslosen nämlich um 12 000 gesunken. Der wichtige Indikator für den Konjunktureinfluss auf den Arbeitsmarkt sank damit den vierten Monat in Folge.

Auch entstünden weiterhin neue Stellen: Im Vergleich zum Vorjahr habe die Zahl der Erwerbstätigen um 314 000 auf nun 41,69 Millionen zugenommen. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten legte im Vorjahresvergleich von Dezember auf Januar (letzte aktuelle Daten) sogar um 414 000 auf 29,38 Millionen zu. Allerdings waren rund zwei Drittel der neu entstandenen Jobs Teilzeitstellen.

Mit 98 000 neu geschaffenen Arbeitsplätzen schufen sogenannte wirtschaftliche Dienstleister den Löwenanteil der neuen Stellen. Zu ihnen zählen neben Werbeagenturen und Marktforschern auch Unternehmensberater, Anwälte, Reisebüros und Hausverwaltungen. 81 000 neue Jobs entstanden in Krankenhäusern, Altenheimen und Kindertagesstätten. Eine Rolle als Jobmaschine spielt inzwischen auch wieder die Industrie: Die Zahl der dort Beschäftigten stieg im Januar um 49 000.

Zurückhaltend äußerte sich Weise zu den an diesem Mittwoch im Bundeskabinett beratenen Mindestlohnplänen der Bundesregierung. Solange die genauen Pläne der Bundesagentur nicht vorlägen, könne und wolle er dazu auch nicht Stellung beziehen, sagte Weise. Unabhängig von der konkreten Ausgestaltung stellten die Pläne aber sowohl für Arbeitslose als auch für Bundesagentur eine Herausforderung dar. Die Arbeitslosen selbst, aber auch die Bundesagentur müssten dafür sorgen, dass Betroffene besser fortgebildet würden. "Wir müssen Menschen dazu befähigen, dass Unternehmen ihnen den Mindestlohn bezahlen", sagte Weise.