Washington (dpa) - Das war ein Termin, den sich Mary Barra sicher gerne gespart hätte. Nach Versäumnissen bei General Motors muss sich die Konzernchefin hartnäckigen Fragen stellen. Wo immer es geht, weicht sie aus.

Mit scharfen Fragen hat der US-Kongress die Chefin des Autokonzerns General Motors (GM), Mary Barra, zur tödlichen Pannenserie wegen defekter Zündschlösser verhört. Mehrfach geriet Barra ins Stocken, antwortete ausweichend und verwies auf laufende interne Ermittlungen, als die Mitglieder eines Ermittlungsausschusses im Repräsentantenhaus sie am Dienstag mit immer neuen Fragen löcherten. Die defekten GM-Zündschlösser hatten wiederholt dazu geführt, dass unter anderem Bremsen während der Fahrt nicht mehr richtig funktionierten.

Warum es jahrelang dauerte, die Ursache der Pannenserie mit mindestens 13 Toten aufzudecken, konnte die seit Januar amtierende GM-Chefin nicht sagen. Erst die laufende Untersuchung werde zeigen, warum die Unfälle so spät aufgeklärt wurden. Immer wieder verwies Barra auf den von GM engagierten Anwalt Anton Valukas, der schon die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers untersucht hatte. "Ich will selbst die Antworten auf die Fragen, die Sie stellen."

"Wir können die Zeit nicht zurückdrehen", sagte Barra. Sobald der Fehler bemerkt wurde, habe der Konzern gehandelt und den Rückruf von mittlerweile knapp 2,6 Millionen Fahrzeugen veranlasst. Außerdem habe die Opel-Mutter sich selbst neue Standards gesetzt, verteidigte sich Barra auf die Vorwürfe gegen ihr Unternehmen. Auch der neu eingesetzte Sicherheitschef Jeff Boyer - ein altgedienter GM-Manager mit mehr als 40 Jahren im Konzern - solle künftig dafür sorgen, dass eine vergleichbare Unfallserie sich nicht wiederhole.

Sie versuche lediglich, die hinterlassene Unordnung ihrer Vorgänger aufzuräumen, zeigte sich der Abgeordnete Henry Waxman etwas verständnisvoll. Andere Ausschussmitglieder blieben dagegen hart. Sie sei "enttäuscht" vom neu geschaffenen Posten des Sicherheitschefs, sagte die Abgeordnete Jan Schakowsky. Für reichlich Stirnrunzeln sorgten auch Barras Aussagen, dass wegen der Unfallserie bis heute kein GM-Mitarbeiter seinen Job verloren habe und Barra sich auch noch nicht mit den zuständigen Ingenieuren des Zulieferer Delphi getroffen habe, der die Originalschlösser hergestellt hatte.

Angesichts dutzender Reporter, laufend klickenden Kameras und zahlreicher Angehöriger von Unfallopfern, die Bilder der Verstorbenen aufgestellt hatten, wirkte Barra sichtlich angespannt. In ihren eröffnenden Bemerkungen entschuldigte sie sich bei den Betroffenen und sagte, sie sei "zutiefst betrübt." Bereits am Montagabend war sie mit Angehörigen von Opfern der Unfallserie zusammengetroffen.

Für die Entschädigung der Unfallopfer und Hinterbliebenen hat sich die Opel-Mutter unterdessen prominente Unterstützung ins Boot geholt: Spitzenanwalt Kenneth Feinberg soll die Entschädigungen leiten. Die US-Regierung hatte ihn etwa beauftragt, die Familien der Opfer der Terroranschläge vom 11. September 2001 zu entschädigen. Dieselbe Aufgabe hatte Feinberg nach der verheerenden Ölpest im Golf von Mexiko im Jahr 2010 und nach den Terroranschlägen beim Marathon in der Metropole Boston im vergangenen Jahr.