Die Bundesregierung will während der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien Lärmschutz-Gesetze aufweichen. Damit soll der Weg frei gemacht werden für nächtliche Public Viewing-Veranstaltungen. Der Grund: Knapp die Hälfte der 64 Begegnungen beginnen wegen der Zeitverschiebung erst um 22 Uhr deutscher Zeit oder später.

Es soll eine Sonderverordnung beschlossen werden, die die Lärmschutz-Regelungen nach 22.00 Uhr mildern soll. Dies teilte ein Sprecher des Umweltministeriums mit und bestätigte damit einen entsprechenden Bericht der Bild-Zeitung. In Ausnahmefällen sollen Fußballbegeisterte auf öffentlichen Veranstaltungen auch nach Mitternacht noch laut sein dürfen. 


Bereits im Januar hatte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks betont, dass es eine Sonderregelung geben werde – so wie bereits bei den Weltmeisterschaften 2006 und 2010 und der Fußball-EM 2008. "Das gemeinschaftliche Fußballgucken unter freiem Himmel gehört zu einer Fußball-Weltmeisterschaft einfach dazu. Bei einem solchen Anlass halte ich Ausnahmen vom Lärmschutz für gerechtfertigt", sagte die SPD-Politikerin. 

Kommunen haben das letzte Wort

Möglich wird die Sonderverordnung durch einen juristischen Trick: Die Fanmeilen sollen während der Weltmeisterschaft als Sportanlagen deklariert werden. Damit wird Public Viewing auf Videoleinwänden mit dem Stadion-Besuch gleichgestellt. Videoleinwandbetreiber brauchen jedoch eine Genehmigung der Gemeinde, wenn sie Public Viewing veranstalten möchten. Hendricks betonte, dass deshalb die Kommunen noch immer das letzte Wort haben.

Grund für die Sonderverordnung ist das Bundesimmissionsschutzgesetz, wonach bei öffentlichen Veranstaltungen nach 22.00 Uhr in allgemeinen Wohngebieten der Geräuschpegel 40 dB(A) nicht überschreiten darf. Das entspricht etwa leiser Hintergrundmusik und wird daher beim Public Viewing in jedem Fall übertroffen.

Zehn Spiele laufen nach Mitternacht

Bei der Erlaubnis nächtlicher Public-Viewing-Veranstaltungen sei die Bedeutung der "öffentlichen Fernsehdarbietung, das Publikumsinteresse und die Bedeutung des Spiels für den Turnierverlauf, die Abstände zu Wohnbebauung und schutzbedürftigen Einrichtungen, die Sensibilität des Umfeldes, die technischen und organisatorischen Maßnahmen zur Lärmminderung sowie Umfang, Anzahl und Aufeinanderfolge der zugelassenen Ausnahmen zu berücksichtigen", heißt es im Entwurf, der der Deutschen Presseagentur vorliegt.