Brüssel (dpa) - Die Nato ist uneins über eine Truppenverlegung in die östlichen Mitgliedstaaten als Reaktion auf die Krim-Krise.

Zum Auftakt eines Außenministertreffens in Brüssel bestand Polen am Dienstag auf einer Verlagerung von Bodentruppen und schweren Waffen, während Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen das ablehnte. Unumstritten war zunächst nur die Verstärkung der Luftraumüberwachung über dem Baltikum, für die auch Deutschland sechs Kampfjets vom Typ Eurofighter angeboten hat.

Für den vom russischen Präsidenten Wladimir Putin angekündigten Truppenabzug von der Grenze zur Ukraine hatte die Nato zunächst keine Belege. Das Nato-Hauptquartier geht von 35 000 bis 40 000 russischen Soldaten an der ukrainischen Grenze aus.

Von den Nato-Mitgliedern fühlen sich vor allem die baltischen Staaten, Polen und Rumänien von Russland bedroht. In den 90er Jahren hatte das transatlantische Bündnis Russland versichert, keine Truppen in größerem Umfang in den östlichen Mitgliedsstaaten zu stationieren. Polen strebt nun im Zuge der Krim-Krise einen Paradigmenwechsel an. "Natürlich können sich Vorsätze im Lichte neuer Entwicklungen ändern", sagte der polnische Außenminister Radoslaw Sikorski. Polen sei nun seit 15 Jahren Nato-Mitglied und das einzige was es an Präsenz des Bündnisses in seinem Land gebe, sei ein Konferenzzentrum.

"Wir wären dankbar für alles, was wir bekommen können", sagte Sikorski mit Blick auf Bodentruppen und schwere Waffen. Den Wunsch nach zwei schweren Brigaden, was insgesamt bis zu 10 000 Soldaten entsprechen würde, relativierte er aber später. Es gehe nicht darum, eine theoretische Diskussion über solche Zahlen zu führen.

Kurz zuvor hatte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen die Stationierung von Nato-Bodentruppen in der Nähe der Ostgrenze des Bündnisses abgelehnt. "Ich glaube, alle sehen ein, dass der beste Weg vorwärts ein politischer und diplomatischer Dialog ist", sagte er.

Rasmussen sicherte den östlichen Mitgliedern aber erneut den militärischen Beistand der Nato zu. Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagte, es gehe darum, "dass sich alle diese Staaten, die sich bedroht fühlen müssen, der Nato-Solidarität sicher sein können." Zur Forderung Polens äußerte sich Steinmeier aber ebensowenig wie der britische Außenminister William Hague.

Die Verstärkung der bereits seit zehn Jahren von der Nato übernommenen Luftraumüberwachung über dem Baltikum ist bereits erfolgt. Die USA haben die Zahl ihrer Kampfflieger von vier auf zehn aufgestockt. Ende April soll die Aufgabe von anderen Ländern übernommen werden. Neben Deutschland haben sich Großbritannien und Frankreich dazu bereit erklärt. Die Bundesregierung will zudem ein Minenräumschiff für Nato-Manöver in der Ostsee stellen.

Rasmussen widersprach in Brüssel Berichten über einen Teilabzug russischer Truppen aus dem Grenzgebiet zur Ukraine. "Bedauerlicherweise kann ich nicht bestätigen, dass Russland seine Truppen abzieht", sagte er. Ein ranghoher Nato-Offizier ergänzte: "Wir sehen täglich einige Bewegungen bei diesen Truppen, aber wir haben noch keinen Rückzug gesehen." Wenn es einen Abzug gäbe, "dann wüssten wir das mit großer Sicherheit". Nach russischen Angaben soll ein Bataillon abgezogen worden sein, also bis zu 1200 Soldaten.

Wie es mit der Annäherung der Ukraine an die Nato weitergeht, ist noch unklar. Steinmeier betonte, er sehe keine Perspektive für einen Nato-Beitritt. Er könne sich zwar eine engere Kooperation mit Kiew in der Nato-Ukraine-Kommission vorstellen. "Einen Weg in die Mitgliedschaft in der Nato sehe ich nicht." In der Bundesregierung sei diese Haltung aber noch nicht förmlich abgestimmt.

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