Frankfurt/Main (dpa) - Die Spekulation auf weitere Stützungsmaßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) hat dem Dax nur zu einem kurzen Höhenflug verholfen. Aussagen von EZB-Präsident Mario Draghi hatten den deutschen Leitindex zeitweise fast bis an die Marke von 9700 Punkten gestiegen.

Vor dem Hintergrund nachgebender US-Börsen gab das wichtigste deutsche Börsenbarometer seine Gewinne dann aber nahezu komplett wieder ab. Der Dax endete 0,06 Prozent höher bei 9628,82 Punkten. Der MDax stieg um 0,09 Prozent auf 16 628,84 Punkte, der TecDax verlor hingegen 0,17 Prozent auf 1270,35 Punkte.

Die obersten Notenbanker der Eurozone hatten wie von Volkswirten erwartet den Leitzins unverändert bei 0,25 Prozent gelassen. Das hatte offensichtlich diejenigen Anleger enttäuscht, die entgegen der Mehrheitsmeinung von Experten auf konkrete Maßnahmen der Notenbank spekuliert hatten. Schließlich war die Jahresteuerung im Euroraum im März auf 0,5 Prozent gesunken und damit auf den niedrigsten Stand seit mehr als vier Jahren. Draghi sagte in der Pressekonferenz aber auch, die EZB schließe zusätzliche und auch unkonventionelle Lockerungsmaßnahmen nicht grundsätzlich aus.

Einen Strich durch die Rechnung machte dem deutschen Aktienmarkt schließlich die Wall Street. Die Stimmung im US-Dienstleistungssektor hatte sich enttäuschend wenig aufgehellt. Die Reaktion der US-Anleger war leicht negativ, nachdem der Dow zuvor auf den höchsten Stand seiner Geschichte geklettert war.

Bei den Einzelwerten stachen Aktien von Fresenius Medical Care (FMC) an der Dax-Spitze hervor. Sie gewannen 3,35 Prozent, nachdem der Dialysespezialist mit langfristigen Umsatzzielen für 2020 Experten überrascht hatte. Dann sollen nämlich rund 28 Milliarden Dollar erlöst werden - mehr als Analysten bislang geschätzt hatten und fast eine Verdoppelung des 2013 erzielten Umsatzes.

Nach einem kräftigen Kursgewinn am Vortag gaben Post-Aktien als größter Dax-Verlierer 1,32 Prozent ab. Neue Gewinnziele des Konzerns hatten die Aktien am Vortag zwischenzeitlich auf ein Rekordhoch getrieben. Papiere der Deutschen Bank fielen um 1,13 Prozent. Der Kurs reagierte auf Analystenkommentare.

Als größter MDax-Verlierer rutschten Stada nach weiteren negativen Analystenkommentaren um 3,68 Prozent ab. Der Arzneimittelhersteller hatte vergangene Woche seine Ziele für das laufende Jahr gekürzt. Jenoptik gingen wegen einer Aktienplatzierung auf Talfahrt und sackten am TecDax-Ende um 4,74 Prozent ab. Der Versicherer Ergo hatte 4,88 Millionen Anteilscheine des Technologiekonzerns im Volumen von über 60 Millionen Euro verkauft.

Die wichtigsten europäischen Aktienindizes verbuchten Gewinne. Der EuroStoxx 50 stieg um 0,61 Prozent auf 3206,76 Punkte. Der Cac 40 in Paris kletterte um 0,4 Prozent, wohingegen der Londoner FTSE 100 wegen eines schwachen Bergbausektors rund 0,2 Prozent verlor. Der US-Leitindex Dow Jones Industrial lag zum europäischen Börsenschluss mit 0,1 Prozent im Minus.

Am deutschen Rentenmarkt stieg die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf 1,37 (Vortag: 1,34) Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,15 Prozent auf 134,32 Punkte. Der Bund-Future legte um 0,06 Prozent zu auf 142,92 Punkte. Der Kurs des Euro fiel und notierte zuletzt bei 1,3706 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs auf 1,3771 (Mittwoch: 1,3795) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7262 (0,7249) Euro.