Santiago de Chile (dpa) - Einen Tag nach dem schweren Erdbeben im Norden Chiles hat ein weiterer heftiger Erdstoß die Menschen aus ihren Häusern getrieben. Das Beben der Stärke 7,6 löste am Mittwochabend (Ortszeit) auch wieder Tsunami-Alarm aus.

Das Zentrum lag nach Angaben der nationalen Erdbebenwarte CSN im Pazifik, 45 Kilometer südwestlich der Stadt Iquique. In der selben Gegend hatte sich am Vortag das Beben der Stärke 8,2 ereignet, bei dem sechs Menschen umkamen. Die Tiefe des Nachbebens wurde auf rund 28 Kilometer geschätzt. Berichte über neue Opfer gab es zunächst nicht.

Der Notfalldienst Onemi gab einen Tsunami-Alarm für die Küste nördlich der Stadt Antofagasta heraus. Nach knapp drei Stunden wurde er wieder aufgehoben. Innenminister Rodrigo Peñailillo erklärte, es werden in Nordchile ein Meter hohe Wellen erwartet. Geröll blockierte mehrere Landstraßen, wie das Nachrichtenportal Emol berichtete.

Staatschefin Michelle Bachelet verließ das Hotel in der Nähe des Strandes in der Stadt Arica, um in sicherer Höhe mit dem Notfallstab zusammenzukommen, wie das chilenische Fernsehen berichtete. Die Präsidentin war am Mittwoch nach Nordchile geflogen, um die Lage nach dem ersten Erdbeben zu begutachten.

Bei dem stärksten Beben seit 1877 hatten sich am Dienstag knapp eine Million Menschen vor der Tsunami-Gefahr in Sicherheit gebracht. Bis zu 2,5 Meter hohe Wellen zerstörten zahlreiche Fischerboote in Iquique. In der Stadt wurden um die 2000 Wohnungen beschädigt, sagte Bürgermeister Jorge Soria.

Der Erdstoß von Mittwoch sei kein neues Erdbeben, sondern ein starkes Nachbeben, erklärte der Leiter der Erdbebenwarte, Sergio Barrientos. Seit dem 8,2-Beben wurden über 170 Nachbeben verzeichnet, unter ihnen mehrere einer Stärke von über 5,0.

In Chile bebt die Erde immer wieder, die Gegend gehört zu den seismisch aktivsten der Welt. Das Land liegt in einer Region, in der die tektonische Nazca-Platte auf die südamerikanische trifft. Die Erdstöße gehören zu den stärksten weltweit.