Fort Hood (dpa) - Tausende Soldaten sind im texanischen Fort Hood stationiert, doch für das Tragen von Waffen gibt es strenge Regeln. Ein Amoklauf hat nun erneut Entsetzen ausgelöst. Litt der Soldat am Trauma des Krieges?

Der Schütze des Amoklaufs auf der US-Militärbasis Fort Hood mit vier Toten und 16 Verletzten hat vor seiner Tat "keinerlei Anzeichen möglicher Gewalt" gezeigt. Allerdings habe der 34-jährige Soldat unter Depressionen und Angststörungen gelitten, sagte Heeresminister John McHugh weiter. Der Amokläufer, der sich bei dem Blutbad selbst erschossen hatte, sei 2001 für vier Monate im Irak stationiert gewesen, habe aber nicht an Kampfeinsätzen teilgenommen.

Die Tat auf der weltgrößten Militärbasis in Texas erschütterte Amerika. Bereits 2009 war in Fort Hood ein Soldat Amok gelaufen - damals starben 13 Menschen.

Präsident Barack Obama äußerte sich schockiert und verlangte eine rückhaltlose Aufklärung. "Der Präsident hat seine Team aufgerufen, alle zur Verfügung stehenden Ressourcen zu nutzen, um die Schießerei vollständig aufzuklären", sagte Regierungssprecher Jay Carney am Donnerstag. US-Medien stellten die Frage, wie es dem Schützen gelungen konnte, eine private Waffe auf das Gelände zu schmuggeln.

Die Bluttat am Mittwochnachmittag (Ortszeit) löste einen Großeinsatz von Polizei und Notärzten aus. Knapp fünf Stunden wurde der Stützpunkt mit fast 50 000 Soldaten abgeriegelt. Alle 16 Opfer seien Soldaten, sagte Stützpunkt-Kommandeur Mark Milley. Mindestens drei Verletzte befänden sich in kritischem Zustand, berichteten Krankenhaus-Ärzte.

Anzeichen auf einen terroristischen Hintergrund gebe es jedoch nicht, meinte McHugh am Donnerstag vor einem Senatsausschuss. Ein Motiv für die Tat sei nicht bekannt, sagte Milley. Eine Diagnose über eine sogenannte posttraumatische Belastungsstörung liege nicht vor. "Wir untersuchen sein Vorleben nun sehr genau", erklärte der Kommandant.

Der Mann habe im Jahr 2011 vier Monate im Irak gedient und unter Verhaltensstörungen und psychischen Problemen gelitten, sei dort aber nicht verwundet worden. Der Mann hatte den Dienstgrad eines "Army Specialist", was etwa einem Stabsgefreiten oder Oberstabsgefreiten der Bundeswehr entspricht. "Specialists" sind Soldaten niederen Ranges mit zusätzlichen - vor allem technischen - Kenntnissen.

Nach einem Bericht der "Washington Post" war der Täter Lastwagenfahrer des Militärs und trug seine grüne Camouflage-Uniform, als er in einem Gebäude der medizinischen Brigade um etwa 16 Uhr das Feuer eröffnete. Laut CNN stieg er dann in ein Fahrzeug und schoss von dort aus, ehe er ein Gebäude des Transport-Bataillons betrat und weitere Schüsse abgab.

Die halbautomatische Handfeuerwaffe der Marke Smith & Wesson hatte der Schütze erst kürzlich in der Gegend gekauft. Er hätte sie aber nicht auf den Stützpunkt bringen dürfen, wie Kommandeur Milley mit Blick auf die strengen Regeln sagte. Als eine Militärpolizistin dem Mann schließlich entgegentrat, tötete er sich selbst durch einen Kopfschuss. "Er hob seine Hände, dann griff er unter seine Jacke und richtete eine Waffe auf seinen Kopf."

Nach etwa 15 Minuten waren die Sicherheitskräfte vor Ort, später versammelten sich Dutzende Polizei- und Rettungsfahrzeuge an dem Stützpunkt. Während der Schießerei heulten Sirenen, die Menschen wurden über Lautsprecher aufgerufen, sich in Sicherheit zu bringen. "Das Gefühl der Angst lag in der Luft", berichtete ein Augenzeuge dem TV-Sender CNN.

"Es bricht uns das Herz, dass so etwas Ähnliches wieder passiert sein könnte", sagte Obama mit Blick auf den ersten Amoklauf in Fort Hood vor fast fünf Jahren. "Wir verfolgen die Situation genau", sagte er während einer Reise in Chicago. Es seien noch viele Fragen offen. "Ich hoffe nur, dass alle im ganzen Land die Familien und die Gemeinschaft in Fort Hood in unsere Gebete mit einschließen."

Fort Hood liegt rund 300 Kilometer nordwestlich von Houston und gilt mit fast 50 000 Soldaten als einer der größten Militärstützpunkte weltweit. 2009 hatte hier ein Soldat 13 Menschen getötet und rund 30 weitere verletzt. Auch damals waren die meisten Opfer Soldaten. Bei dem Amokläufer handelte es sich damals um den Militärpsychiater Nidal Hasan, der im vergangenen August zum Tode verurteilt wurde. Es hieß, er solle Kontakte zu radikalen Islamisten gehabt haben.

Die letzte große Schießerei auf einem US-Militärstützpunkt ereignete sich im September 2013 auf einer Marinebasis in der Hauptstadt Washington. Bei dem Amoklauf waren zwölf Menschen sowie der 34 Jahre alte Schütze ums Leben gekommen. Verteidigungsminister Chuck Hagel räumte später schwere Versäumnisse ein, da das Militär von der psychischen Erkrankung, an der der Schütze litt, nichts wusste.