Sakhir (dpa) - Der Weg zum Bahrain International Circuit bei Nacht wirkt malerisch. Mit Glühbirnen behangene Palmen säumen die Straßen in der Wüste von Sakhir. Das sind ansehnliche Seiten der Glitzerwelt Formel 1. Doch die Königsklasse des Motorsports steckt mal wieder in der Identitätskrise.

Es geht um eine explosive Reglementdebatte. Um einen Weltverbandsboss, der im Kampf gegen den ökonomischen Kollaps mehrerer Teams die Kostenbremse treten will. Und nicht zuletzt um einen Chefvermarkter, der sein eigenes Produkt schlecht redet.

Nur eine Handvoll Teams ist finanziell sorgenfrei. Die anderen Rennställe leben mehr oder minder am Existenzminimum. "Die größte Baustelle in der Formel 1 sind die hohen Kosten. Wir müssen sie reduzieren", sagte Weltverbandschef Jean Todt dem Fachmagazin "Auto, Motor und Sport" in einem vor dem Großen Preis von Bahrain veröffentlichen Interview. "Es ist einfach verrückt, wenn einige Teams 800 Leute anstellen und 300 Millionen Euro dafür ausgeben, damit zwei Autos im Jahr 40 000 Kilometer zurücklegen."

Für den früheren Teamchef von Rekordweltmeister Michael Schumacher bei Ferrari führt kein Weg an einer festen Ausgabengrenze vorbei. "150 Millionen Euro. Die Königsklasse des Motorsports darf das kosten", betonte Todt. Ab der kommenden Saison soll das Limit für jeden Rennstall wirksam sein. Die grundsätzliche Entscheidung fassten die Spitzen der Formel 1 bereits Ende des vergangenen Jahres. "Die Rechteinhaber und die Teams müssen sich bis zum 30. Juni Gedanken machen, wie wir die Kosten reduzieren", sagte Todt. Einstimmigkeit ist die Voraussetzung für die bitter nötige Maßnahme.

Schon am Rande des Großen Preises von Bahrain soll ein Gipfeltreffen zwischen Todt, Chefvermarkter Bernie Ecclestone und Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo weitere Weichen stellen. Dann könnte der Weltrat des Automobilverbandes am Freitag in Marrakesch Änderungen im Reglement verabschieden. Auslöser sind die explosiven Debatten über die deutlich leiseren Turbomotoren und die Spritbegrenzung.

Als einer der schärfsten Kritiker der neuen Aggregate gilt Sebastian Vettel, der die Geräuschkulisse sogar mit einem "Staubsauger" verglich. Ecclestone hatte zunächst ebenfalls gestänkert, nach seinem Rennbesuch in Malaysia aber mildere Töne angeschlagen. Di Montezemolo warnte die Formel 1 angesichts des seiner Ansicht nach heftig darbenden Asphaltspektakels sogar vor "Taxifahrten".

Der Scuderia-Patron habe jedoch "nichts gesagt", als Schumacher seine fünf WM-Titel mit den Italienern holte, vermutet Lewis Hamilton hinter dem Reformwillen di Montezemolos selbstsüchtige Motive. Der Brite gewann das zweite Saisonrennen, Teamkollege Nico Rosberg den Auftakt. Ferrari und Red Bull kommen bislang an Mercedes einfach nicht ran.

Nicht nur Top-Rennställe sind in Sorge. Das Premiumprodukt des Motorsports insgesamt muss auch aufgrund weltweit schwindender Einschaltquoten um seinen Status bangen. Die Formel 1 müsse Problemen wie Umweltverschmutzung oder Finanzkrise Rechnung tragen, forderte Todt. Sonst werde ihr Image weiter leiden.

Mercedes-Teamkontrolleur Niki Lauda bewertet das radikale Facelifting zu dieser Saison positiv. "Mit den neuen Autos und den neuen Motoren haben wir eine neue Formel 1, die zukunftweisend ist", stellte der Österreicher fest. Die Diskussion um Motorenlärm und Spritbegrenzung, die aus Sorge um den Verbrauch Zweikämpfe behindere, kann Lauda nicht nachvollziehen. "Alle können von Anfang bis Ende volle Pulle fahren", meinte er. "Ich sehe das pragmatisch, die Formel 1 hat nun sechs Zylinder statt acht." Damit sei sie logischerweise leiser.

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