Berlin (dpa) - Nach eineinhalb Jahren haben Asylbewerber in Berlin-Kreuzberg ihr umstrittenes Flüchtlingscamp aufgelöst. Am Dienstag verließ ein Großteil von ihnen die Zelte und Hütten auf den Oranienplatz freiwillig.

Mit dem Lager in dem linksalternativ geprägten Stadtteil hatten die Flüchtlinge für ein Bleiberecht gekämpft. Bis zum Abend sollen 60 Menschen in einer festen Unterkunft, einem früheren Hostel, untergebracht werden.

Wegen des Camps hatte es nicht nur heftigen Streit zwischen Senat und Bezirk gegeben, sondern auch in der rot-schwarzen Berliner Landesregierung. Innensenator Frank Henkel (CDU) hatte zunächst eine Zwangsräumung durch die Polizei nicht ausgeschlossen. Der Senat setzte dann aber auf Verhandlungen mit den Flüchtlingen. Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD) führte wochenlang Gespräche. Den Flüchtlingen wurde eine Einzelfallprüfung ihrer Asylanträge zugesagt, wenn sie den Oranienplatz verlassen.

Die Polizei betonte, es gebe keine zwangsweise Räumung. Die Beamten würden nur einschreiten, wenn es zu Straftaten komme, sagte ein Sprecher. Die Flüchtlinge wurden mit Bussen in ihr neues Quartier in Berlin-Friedrichshain gefahren. Dort warteten sie mit Plastiktüten oder Rucksäcken im abgesperrten Innenhof des Hauses auf Einlass und Registrierung.

Innensenator Henkel forderte von der Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Monika Herrmann (Grüne), sie müsse eine Neubesetzung des Platzes verhindern. Auf dem Oranienplatz soll nur ein Info-Container stehenbleiben.