Wien (dpa) - Die Verhandlungen über das umstrittene iranische Atomprogramm gehen in eine neue Runde. Die UN-Vetomächte (USA, Russland, China, Großbritannien, Frankreich) sowie Deutschland werden an diesem Dienstag und Mittwoch in Wien versuchen, auf dem Weg für eine umfassende Lösung voranzukommen.

Die 5+1-Gruppe will Gewissheit über den friedlichen Charakter des iranischen Atomprogramms gewinnen. Die Führung in Teheran hofft im Gegenzug auf eine Aufhebung der internationalen Sanktionen. Der Iran macht Strafmaßnahmen wie beispielsweise das Erdölembargo für die Wirtschaftskrise im Land verantwortlich. In einem Zwischenabkommen im November 2013 in Genf war eine Frist von sechs Monaten bis zu einer Lösung des Konflikts festgelegt worden.

Hauptstreitpunkte bleiben weiterhin der Schwerwasserreaktor Arak in Zentraliran und die Nutzung von schnelleren Zentrifugen für die Urananreicherung. Wegen der möglichen Plutonium-Produktion ist die 5+1-Gruppe gegen den weiteren Bau des Reaktors und die Nutzung schnellerer Zentrifugen, da sie das Risiko eines potenziellen Waffenprogramms erhöhen könnten. Der Iran will aber auf keines der beiden Projekte verzichten.

Nach Einschätzung der 5+1-Gruppe liegen die Gespräche im Zeitplan. Die Gruppe sei entschlossen, bis zum 20. Juli zu einer Einigung zu kommen, sagte ein hoher US-Regierungsbeamter. Es gebe jedoch noch etliche Problemfelder.

"Wenn wir diesmal die Details klären, könnten wir schon in der nächste Runde den Entwurf für die endgültige Einigung vorbereiten", sagte der iranische Vizeaußenminister Abbas Araghchi.

Positive Signale gab es kurz vor Beginn der Verhandlungen. Der US-Flugzeughersteller Boeing darf mit ausdrücklicher Genehmigung der Regierung in Washington erstmals nach rund 35 Jahren Ersatzteile für zivile Passagierflugzeuge an den Iran verkaufen. Zuletzt hatte der Iran im August 1979 von dem Flugzeugbauer eine Boeing 747 gekauft, nur kurz vor der Erstürmung der US-Botschaft in Teheran und der Geiselnahme von Botschaftspersonal.