Pretoria (SID) - Der des Mordes an seiner Freundin Reeva Steenkamp angeklagte Paralympics-Star Oscar Pistorius ist am zweiten Tag seiner Vernehmung zusammengebrochen. Die Verhandlung vor dem Gericht in Pretoria wurde daraufhin auf Mittwochmorgen vertagt. Der 27-Jährige hatte zuvor mit tränenerstickter Stimme die schicksalhaften Vorfälle im Haus des Paares geschildert und dabei erneut betont, er habe die Person hinter der verschlossenen Toilettentür für einen Einbrecher gehalten.

"Ich habe Geräusche in der Toilette gehört und dachte, dass jemand herauskommt und mich bedroht. Bevor ich wusste, was passiert, habe ich viermal auf die Tür geschossen", erklärte Pistorius den tragischen Moment am Valentinstag des Jahres 2013. Wie sich jedoch herausstellte, hatte der Stelzensprinter seine Freundin erschossen. "Dann habe ich nach Reeva gerufen, bin mit der Waffe zurück ins Schlafzimmer und habe auf dem Bett nach Reeva getastet. Da merkte ich, dass sie nicht da ist."

Er habe realisiert, dass die Person in der Toilette Reeva Steenkamp gewesen sein könnte. "Ich bin auf den Balkon und habe um Hilfe gerufen. Dann bin ich zurück ins Badezimmer, habe geschrien und geweint, habe nach Reeva gerufen", berichtete Oscar Pistorius. Anschließend habe er die Tür mit einem Cricketschläger aufgebrochen. "Ich habe in meinem Leben noch nie so geschrien", sagte Pistorius.

Als er berichtete, wie er seine Freundin in der Toilette vorfand und feststellte, dass sie nicht mehr atmete, brach Pistorius zusammen und weinte hemmungslos. Während die Angehörigen des toten Ex-Models Reeva Steenkamp im Zuschauerbereich weinten, verließ Pistorius den Saal. Wenige Minuten später kehrte er zurück. Sein Anwalt Barry Roux beantragte daraufhin eine Vertagung der Verhandlung, dem Antrag gab Richterin Thokozile Masipa statt.

Bei der Anhörung am 18. Verhandlungstag von Oscar Pistorius waren zuvor zahlreiche Nachrichten verlesen worden, die sich er und seine Freundin geschickt hatten. Die Polizei hatte mehr als 1700 davon auf den Handys gesichert. Pistorius berichtete, dass das Paar Pläne für Zukunft gemacht habe. 

Ursprünglich hatte das Gericht in Pretoria 13 Verhandlungstage bis zum 20. März angesetzt, nun wird der Prozess gegen den siebenmaligen Paralympics-Sieger mindestens bis zum 16. Mai fortgesetzt.