Savonlinna (dpa) - In den Testspielen in Finnland am Donnerstag und Freitag wird Eishockey-Bundestrainer Pat Cortina ganz genau hinschauen. Auf sehr viele der Spieler, mit denen er in den beiden Partien beim zweimaligen Weltmeister antritt, wird er auch bei der WM in Weißrussland bauen müssen.

Notgedrungen, denn bis zum ersten WM-Spiel am 10. Mai gegen Kasachstan dürften nach aktuellem Stand kaum noch Leistungsträger dazukommen. "Der Kader wird sich nicht großartig verändern", sagte Cortina vor der Abreise nach Finnland und bezog sich damit eigentlich auf die Testspiele in der kommenden Woche gegen Russland. Inzwischen könnte der Satz allgemein gelten. Fast täglich erreichen den Deutschen Eishockey-Bund (DEB) Absagen von sicher geglaubten WM-Fahrern.

Seit Mittwoch ist das WM-Aus für Hamburgs Torjäger David Wolf nach dessen Prügelattacke in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) fix. "Er ist von der Liga gesperrt worden, und gesperrte Spieler dürfen nicht eingeladen werden", erläuterte DEB-Generalsekretär Franz Reindl nach Rücksprache mit dem Weltverband IIHF.

Wolf war von DEL für sieben Spiele suspendiert worden, nachdem er im Playoff-Halbfinale Ingolstadts Benedikt Schopper sechs Zähne ausgeschlagen hatte. Die Sperre kann der Stürmer nach dem Playoff-Aus seines Teams aber nicht mehr absitzen. Cortina war bis zuletzt unsicher, ob die Sperre auch international gilt. Daran gibt es inzwischen nach dem Regelstudium und dem Dialog mit der IIHF keinen Zweifel mehr. "Da gibt es keinen Ermessungsspielraum", sagte Reindl.

Zuvor hatten bereits DEL-Top-Torjäger Patrick Reimer (Nürnberg), Star-Torhüter Dennis Endras, Routinier Christoph Ullmann (beide Mannheim), Stürmer André Rankel (Berlin), Verteidiger Felix Petermann (München) und Nordamerika-Profi Konrad Abeltshauser (Worcester) aus privaten Gründen oder verletzungsbedingt abgesagt. "Sehr, sehr, sehr, sehr, sehr zweifelhaft" laut Cortina ist außerdem der WM-Einsatz des derzeit verletzten Kapitäns Michael Wolf (Iserlohn), der in Finnland ebenfalls nicht dabei ist. "Das trifft uns wirklich sehr hart", sagte Cortina zu den zahlreichen Ausfällen wichtiger Spieler.

Zu allem Überfluss sinkt von Tag zu Tag die Hoffnung auf NHL-Star Christian Ehrhoff. Der Verteidiger aus Buffalo hatte schon fest zugesagt, verpasste das letzte Saisonspiel aber wegen einer Gehirnerschütterung. "Pat ist mit ihm Kontakt. Ob sein Ausfall endgültig ist, weiß ich nicht, aber es wird eng", sagte Reindl.

Ähnlich sieht es bei Ehrhoffs Teamkollege Alexander Sulzer aus, der zuletzt aufgrund einer nicht näher definierten Verletzung gefehlt hatte. Auch von ihm hatte Cortina bis zur Abreise nach Finnland noch keine genaue Aussage im Hinblick auf die WM. In Finnland stehen außerdem die Spieler der DEL-Finalisten Köln und Ingolstadt noch nicht zur Verfügung. Hier dürfte Cortina auf eine schnelle Entscheidung der am Donnerstag beginnenden Finalserie hoffen.