Berlin (SID) - Am Donnerstagabend gegen 20.15 Uhr könnte für Energie Cottbus schon alles vorbei sein. Im Falle einer Niederlage gegen den FC St. Pauli und eines gleichzeitigen Erfolgs von Dynamo Dresden im Sachsen-Derby bei Erzgebirge Aue stünde der ehemalige Bundesligist als erster Absteiger aus der 2. Liga fest - die zuletzt ohnehin nur noch geringen Hoffnungen auf das "Wunder von der Lausitz" wären dahin.

"Was die anderen machen, ist völlig egal. Wir waren ja eigentlich schon im Januar abgestiegen. Dass wir überhaupt noch dabei sind, ist Wahnsinn", sagte Cottbus-Trainer Jörg Böhme dennoch kämpferisch: "Es ist schwierig, aber nicht unmöglich."

Allerdings: Das 0:0 gegen Dresden und das 1:2 in Bochum in den beiden vergangenen Spielen waren wohl viel zu wenig. Der Abstand auf den Relegationsplatz beträgt bereits sieben Punkte. "Unsere Chancen sind fast bei Null", sagte Torhüter Rene Renno der Bild-Zeitung.

Von der Aufbruchstimmung zu Beginn der Amtszeit Böhmes, der mit drei Siegen aus vier Spielen gestartet war, ist nicht mehr viel geblieben. Nach der vermeidbaren Niederlage in Bochum wurden die Spieler von den eigenen Fans beschimpft. "Ich lasse auf den Charakter der Mannschaft nichts kommen", betonte Böhme allerdings und entkräftete damit den Hauptvorwurf vieler Anhänger. Im Match gegen St. Pauli bleibt ein Teil der Nordwand im Stadion der Freundschaft gesperrt - das Resultat zweier Wurfattacken auf Schiedsrichter.

Zu allem Überfluss hat auch der Präsident nach fast zehn Jahren im Amt genug - am Mittwoch kündigte Ulrich Lepsch an, aufgrund der aktuellen sportlichen Situation nicht mehr für eine weitere Amtszeit zur Verfügung zu stehen. Bereits im Mai endet damit eine Ära in der Lausitz. Lepschs Nachfolger wird der bisherige Vize-Präsident Wolfgang Neubert.

Immerhin: Auf der Suche nach einem Sportdirektor scheint Cottbus fündig geworden zu sein. Der ehemalige Profi Roland Benschneider soll das Amt übernehmen.

Beim Konkurrenten aus Dresden herrschen nach dem 4:2 gegen 1860 München am Montag wieder Zuversicht und Hoffnung auf den direkten Klassenerhalt. Drei Punkte Rückstand sind es noch bis zum rettenden Ufer - und mit einem Sieg im ausverkauften Derby in Aue könnte man wieder zu einer ganzen Reihe von Teams aufschließen. Auch die Gastgeber wären im Falle eines Sieges wieder in Reichweite.

"Der Weg nach Aue wird keine Kaffeefahrt", sagte Dresdens Trainer Olaf Janßen: "Es knistert. Und wir wissen, welchen Stellenwert das Spiel für beide hat." Positiv stimmt den Dresdner Coach dabei vor allem der Auftritt am vergangenen Montag. Gegen München beendete der achtmalige DDR-Meister seine 13 Spiele andauernde Sieglosserie und überzeugte endlich auch einmal in der Offensive.

Gegner Aue will sich dagegen aller Abstiegssorgen entledigen. "Jeder Fan, jeder Spieler, jeder Mitarbeiter des Vereins freut sich auf dieses Spiel. Wir können in diesem Spiel die 40-Punkte-Marke klar machen. Das ist für jeden Motivation genug", sagte Aues Trainer Falko Götz. Zwar ruhe für die 90 Minuten seine Freundschaft zu Dynamo-Coach Olaf Janßen - allerdings machte der ehemalige Bundesligaprofi auch klar: "Dynamo gehört in die 2. Liga. Das ist wichtig für die Region."