Genf/Moskau/Mariupol (dpa) - Begleitet von bewaffneten Aktionen prorussischer Separatisten in der Ostukraine hat in Genf ein Spitzentreffen zur Lösung des Konflikts begonnen. Die Außenminister der USA, Russlands, der Ukraine und die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton trafen in Genf zusammen.

In Moskau rief Kremlchef Wladimir Putin die ukrainische Führung zum "echten Dialog" mit der ethnisch russischen Bevölkerung auf. Vorwürfe, dass russisches Militär die Separatisten steuere, wies er scharf zurück.

Im Süden und Osten der Ukraine bleibt die Lage angespannt. In der Nacht zum Donnerstag wurden nach Kiewer Angaben bei einem Angriff prorussischer Aktivisten auf einen Militärstützpunkt in Mariupol im Südosten mindestens drei Angreifer getötet und 13 weitere verletzt. Etwa 300 Vermummte hätten Brandsätze geworfen und mit scharfer Munition geschossen, teilte Innenminister Arsen Awakow mit. Die Nationalgarde habe den Angriff mit Spezialeinheiten und Hubschraubern abgewehrt.

Das Spitzentreffen in Genf soll dazu beitragen, eine politische Lösung anzubahnen. Für den Außenminister der von Moskau bislang nicht anerkannten ukrainischen Übergangsregierung, Andrej Deschtschiza, und dessen russischen Kollegen Sergej Lawrow ist es die zweite Gelegenheit zu direkten Gesprächen am Verhandlungstisch. An der Vierer-Runde nimmt neben Ashton auch US-Außenminister John Kerry teil.

Die ukrainische Delegation will nach Angaben von Diplomaten Vorschläge für eine stärkere Berücksichtigung der Wünsche ethnischer Russen im Osten des Landes machen. Zugleich hieß es, man könne jederzeit Beweise für eine militärische Verstrickung Moskaus in der Ostukraine vorlegen. Russland bestreitet den Einsatz von Spezialeinheiten im Nachbarland.

"Es gibt im Osten der Ukraine überhaupt keine russischen Einheiten", bekräftigte Putin in der Fernsehsendung "Direkter Draht". "Es gibt keine Geheimdienste und keine Instrukteure. Der beste Beweis dafür ist, dass die Leute sich - im wahrsten Sinne des Wortes - die Masken vom Gesicht gerissen haben", sagte er.

Mit den Menschen in der Ostukraine müsse geredet werden. Weder Flugzeuge noch Panzer könnten die Krise beenden. Putin verurteilte erneut die Gewalt der nicht gewählten neuen ukrainischen Führung gegen die eigene Bevölkerung: "Das ist noch ein schweres Verbrechen der heutigen Machthaber in Kiew."

Für den Fall eines Scheiterns der Genfer Verhandlungen wollen die USA nach Angaben ihres Regierungssprechers Jay Carney Kurs auf eine deutliche Verschärfung der Sanktionen gegen Russland nehmen. "Wir bereiten aktiv neue Sanktionen vor", sagte er laut Mitteilung der Genfer US-Mission. Man hoffe aber, dass Moskau jetzt Bereitschaft zur Deeskalation demonstriere.

Im Osten der Ukraine kam es am Donnerstag erneut zu Zusammenstößen. Schusswechsel wurden unter anderem aus Slawjansk und Kramatorsk nördlich der Gebietshauptstadt Donezk gemeldet. Nach Aussage prorussischer Aktivisten deckte ein Militärhubschrauber in der Nähe von Kramatorsk einen Durchbruchsversuch von Regierungseinheiten. Der Helikopter habe immer wieder gefeuert, dabei seien mindestens vier Zivilisten verletzt worden.

Im Raum Donezk zogen sich nach Angaben des Verteidigungsministeriums ukrainische Regierungstruppen mit 15 Panzerfahrzeugen zurück, nachdem sie von prorussischen Bewaffneten und Anwohnern blockiert worden waren. Die Einheit sollte eigentlich mit einem "Anti-Terror-Einsatz" gegen Separatisten vorgehen, die in mehreren Städten des Gebiets Donezk staatliche Gebäude besetzt halten.

In Kiew drohte Interimspräsident Alexander Turtschinow allen Soldaten, die den Separatisten ihre Waffen übergeben, mit einem Militärgericht. Eine Fallschirmjäger-Einheit, die sich im Gebiet Donezk dem Druck prorussischer Aktivisten gebeugt hatte, werde aufgelöst, sagte Turtschinow.

Mitteilung von Awakow, Russisch

Direkter Draht

Foreign Policy, "The Russians are coming" - zu Putins Strategie

Carnegie-Experte Andrew Weiss zur Ukraine-Krise, Video auf englisch

Project Syndicate: Ukraine und westliche Finanzhilfen, englisch