Köln (SID) - Erneut hat sich ein Insider des deutschen Sports kritisch über die Entwicklung im deutschen Spitzensport geäußert. Direktor Arndt Pfützner vom Leipziger Institut für Angewandte Trainingswissenschaften (IAT) beklagte in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) "fehlenden Gestaltungswillen" sowie "fehlenden Mut zur Innovation".

Die magere Ausbeute der deutschen Mannschaft bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi mit 19 Medaillen sei "kein Ausrutscher" gewesen, meinte Pfützner. Denn der deutsche Leistungssport lasse seit Olympia 1992 kontinuierlich nach - vor allem in den Ausdauer-Sportarten. "Während bei den Winterspielen 2006 noch 62 Prozent der Medaillen für Deutschland in den Ausdauersportarten gewonnen wurden, waren es in Sotschi nur noch 15 Prozent", sagte der IAT-Direktor.

Zudem sprach Pfützner von einer ungenügenden Kooperation der Institutionen. "Gemeinsam wären wir stark", bemerkte der Institutsleiter. Beispielgebend dafür war in Sotschi die mangelhafte Zusammenarbeit zwischen den deutschen Bobfahrern und dem Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES). Nach gegenseitigen Schuldzuweisungen war das deutsche Bobteam in Sotschi erstmals seit 50 Jahren bei Olympia ohne Medaillen geblieben. 

Pfützners Standpunkte sind nicht die erste Kritik an der Situation des Spitzensports in Deutschland. Zuvor hatten auch schon Turn-Bundestrainerin Ulla Koch und der frühere Präsident des Deutschen Sportbundes (DSB), Manfred von Richthofen, die Verhältnisse im deutschen Spitzensport moniert.