Algier (dpa) - Überschattet von Boykottaufrufen der Opposition hat in Algerien die Präsidentenwahl begonnen. Knapp 23 Millionen Menschen sind aufgerufen, für die nächsten fünf Jahre das Staatsoberhaupt des öl- und gasreichen Landes an der nordafrikanischen Mittelmeerküste zu bestimmen.

Ein vorläufiges Ergebnis wird an diesem Freitag erwartet. Die Wahl findet unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen statt. Nach offiziellen Angaben sind unter anderem 186 000 Polizisten im Einsatz.

Als großer Favorit gilt der gesundheitlich schwer angeschlagene Amtsinhaber Abdelaziz Bouteflika. Der 77-Jährige ist nach einem Schlaganfall im vergangenen Jahr kaum noch in der Lage, öffentlich aufzutreten. Anhänger schätzen Bouteflika dennoch als Garanten für Stabilität und Unabhängigkeit. Er führt den größten afrikanischen Flächenstaat bereits seit 1999.

Unter politischen Beobachtern und Oppositionellen ist die mittlerweile vierte Kandidatur Bouteflikas jedoch umstritten. Kritiker werfen dem Präsidenten vor, Teil eines korrupten Staatsapparates zu sein, der auch vor Wahlfälschung nicht haltmache. Mehrere Parteien haben zu einem Boykott der Wahl aufgerufen.

Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International werfen dem autoritären Regime seit langem die Missachtung der Meinungs- und Demonstrationsfreiheit vor. In der Hauptstadt Algier sind beispielsweise seit 2001 Protestaktionen unter freiem Himmel verboten. Damals hatte es bei Demonstrationen gegen die Regierung von Bouteflika Tote und Verletzte gegeben.

Von den fünf Gegenkandidaten des amtierenden Staatschefs werden bei der Wahl allenfalls dem früheren Ministerpräsidenten Ali Benflis (69) Außenseiterchancen eingeräumt. Die einzige Frau im Rennen, die Vorsitzende der Arbeiterpartei Louisa Hanoune, war bereits bei den vorangegangenen Wahlen 2004 und 2009 nicht über ein einstelliges Ergebnis hinausgekommen.

Bouteflika selbst ist Mitglied der früheren Einheitspartei Nationale Befreiungsfront (FLN). Er hatte 2008 über eine Verfassungsänderung den Weg zu einer möglicherweise lebenslangen Amtszeit des Präsidenten freigemacht. Ursprünglich war diese auf maximal zehn Jahre begrenzt gewesen.

Als Hintergrund von Bouteflikas langer Herrschaft gelten vor allem seine Erfolge als Aussöhner sowie die Angst des Volkes vor Chaos und Gewalt. Als der ehrgeizige Politiker 1999 an die Macht kam, hatte Algerien einen Bürgerkrieg mit schätzungsweise 150 000 Toten hinter sich. Bouteflika setzte sich für ein Friedensabkommen mit den Islamisten sowie eine Amnestie für Tausende Kämpfer ein. Auf diese Weise gelang es ihm, den Terror einzudämmen und das Land vorsichtig zu modernisieren.

Im Gegensatz zu seinen langjährigen Amtskollegen aus Libyen, Tunesien und Ägypten überstand Bouteflika die Revolutionswelle in der Region nahezu unbeschadet. Der Arabische Frühling begann allerdings erst nach der Präsidentenwahl 2009. Damals hatte Bouteflika nach offiziellen Angaben bei einer Wahlbeteiligung von rund 75 Prozent 90 Prozent der gültigen Stimmen erhalten.

Auswärtiges Amt zu Algerien

Website der Zeitung El Watan zur Wahl

Website Bouteflika

Website Benflis

Offizielle Statistikdaten zu Algerien

Amnesty International zu Algerien

Website Menschenrechtsliga

Website der algerischen Menschrechtsliga

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