München (dpa) - Für den ADAC währte die Osterruhe nur kurz. Zwar erledigte der skandalgeplagte Autoclub vor den Feiertagen wieder sein Kerngeschäft und warnte etwa vor langen Staus. Doch nun müssen sich die Pannenhelfer erneut mit sich selbst und neuen Vorwürfen beschäftigen.

Der krisengeschüttelte ADAC kommt auch nach den Ostertagen nicht zur Ruhe. Der Autoclub muss sich gegen Vorwürfe wehren, manche Kunden bei der Pannenhilfe zu bevorzugen und damit eigene Mitglieder länger warten zu lassen als nötig. Der Club wies die Vorwürfe zurück: "Bei uns gibt es keine Kunden erster oder zweiter Klasse", bekräftigte ein Sprecher am Mittwoch.

Die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) hatte unter Berufung auf zwei Mitarbeiter des ADAC berichtet, dass die "gelben Engel" oft zunächst denjenigen Autofahrern helfen würden, die über Autohersteller versichert seien. Dem widerspricht der ADAC entschieden. Die Pannenhilfe werde unabhängig vom Kundenstatus gewährt, die Abarbeitung der Aufträge folge dem Eingang der Anrufe.

Es gebe nur eine Ausnahme von der Regel, erklärte der ADAC-Sprecher: "Das sind Notfälle oder wenn etwa kleine Kinder betroffen sind." 2012 leistete der Club in mehr als 4,1 Millionen Fällen Pannenhilfe. Eine Unterscheidung nach dem Status der Pannenopfer gebe es aber nicht. Dem Zeitungsbericht zufolge hatten die beiden ADAC-Beschäftigten angegeben, der Club würde Anrufer bevorzugt behandeln, deren Auto über eine Mobilitätsgarantie des Herstellers abgesichert sei.

Der ADAC arbeitet in diesen Fällen als Dienstleister für etliche Autokonzerne. Autobauer bieten Neuwagenkäufern häufig Garantiepakete an, in denen die Pannenhilfe enthalten ist. Manche Hersteller betreiben dazu eigene Pannendienste, andere nutzen Dienstleister wie den ADAC. Verträge hat der Club etwa mit Opel, Ford oder Volvo.

Ob tatsächlich zahlende Mitglieder wegen der angeblichen Bevorzugung von Garantiefällen länger als nötig warten mussten, ist kaum zu überprüfen. Der Anteil, den diese Fälle an der Gesamtzahl der Panneneinsätze von mehr als 4,1 Millionen haben, ist jedenfalls gering - viele Überschneidungen dürfte es also nicht gegeben haben. Laut ADAC lag er 2012 und auch 2011 bei gerade 3 Prozent. Zudem zeige ein Vergleich, dass es keine Unterschiede bei den Wartezeiten gebe.

Im Schnitt müsse ein Fahrer 45 Minuten auf einen Pannenhelfer warten, hieß es. Besonders viel sagt diese Zahl über die tatsächlichen Wartezeiten nicht aus, denn viele Faktoren spielen eine Rolle - zum Beispiel Wetter, Uhrzeit und Ort.

Finanziert wird die Pannenhilfe für die Mitglieder des ADAC über die Mitgliedsbeiträge. Für Leistungen, die über die Mitgliedschaft hinaus gehen oder für Fahrer ohne ADAC-Ausweis erbracht werden, muss gezahlt werden. Die Mobilitätsgarantien für die Hersteller wickelt der ADAC auf Grundlage von Verträgen über eigene Tochterfirmen ab. Mitgliedsbeiträge fließen nicht in diese Dienstleistungen. Der Umsatz aus den entsprechenden Garantieangeboten summierte sich 2012 laut Geschäftsbericht auf rund 55 Millionen Euro.

Pannen, die über Garantieleistungen gezählt werden, fließen nicht in die Pannenstatistik des Clubs ein. Das wird seit Jahren von manchen Experten kritisch gesehen. Der ADAC verteidigt hingegen die Praxis als statistisch saubere Variante, gerade weil man eigene Geschäfte von der Statistik trennen wolle.

Auch andere Pannen werden nicht eingerechnet - etwa solche, die von Vertragspartnern des ADAC behoben werden, oder solche, die auf Bedienfehler zurückgehen. Nur Fälle, die ADAC-Mitglieder über die Club-Nummer melden und die auch von ADAC-Helfern bearbeitet werden, gelangen in das Zahlenwerk.