Hamburg (dpa) - Der desolate Hamburger SV klammert sich verzweifelt an die letzte Hoffnung Relegation. "Mehr wird nicht drin sein", befand selbst Fußball-Idol Uwe Seeler.

Am Sonntag war sein Verein, dem er sein Leben lang treu ist, im drittletzten Saisonspiel der Fußball-Bundesliga beim FC Augsburg mit 1:3 untergegangen. Seit einem halben Jahr haben die Hamburger auswärts nicht mehr gewonnen. "Man sagt ja immer: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber ein Teil Hoffnung ist schon wieder gestorben", klagte Seeler nach der 19. Saisonniederlage in einem Interview des "Sportclubs" im NDR-Fernsehen. Der 77-Jährige, der in 476 Spielen 404 Tore für den HSV erzielte, leidet: "Alle HSV-Herzen bluten."

Die Relegation gegen den Drittbesten der 2. Bundesliga kann der HSV (27 Punkte) vermutlich nur erreichen, wenn die Abstiegs-Konkurrenten Eintracht Braunschweig (25) und 1. FC Nürnberg (26) in den verbleibenden beiden Spielen nicht mehr punkten. Dass der HSV in der gegenwärtigen Verfassung Zählbares holen kann, glauben selbst die treuesten der leidgeprüften Fans nicht mehr. Am Samstag gastiert Meister Bayern München im Volkspark, zum Saisonausklang müssen die Hanseaten zum Siebten 1. FSV Mainz, der sich die Europa-League-Teilnahme nicht mehr nehmen lassen will.

Dennoch spekuliert das Team auf 30 Punkte zum Saisonende, die im Dreikampf zur Verteidigung des Relegationsplatzes reichen sollen. Mittelfeldakteur Tomás Rincon predigt Durchhalteparolen: "Wir müssen bis zum Ende daran glauben, dass wir es schaffen." Bis zum letzten Saison-Heimspiel gegen die Bayern ist Unruhe in Hamburg programmiert. "Das wird keine schöne Woche, das wissen wir", ahnte der gegen Bayern gesperrte Tolgay Arslan beim Verlassen der Augsburger Arena.

"Wir müssen begreifen, dass es um den 16. Platz geht und um nichts Anderes", erklärte Verteidiger Marcell Jansen seinen Teamkollegen. Der Nationalspieler war knapp zwei Monate nach einer Sprunggelenks-Operation in die Mannschaft zurückgekehrt. Ihm fehlte jedoch die Spielpraxis.

Beim HSV mangelt es hinten, aber mehr noch vorn. Die Offensive ohne den forschen Stoßstürmer Pierre-Michel Lasogga ist nicht bundesligatauglich. Ob Jacques Zoua oder der 20-jährige Mattia Maggio von der eigenen Regionalliga-Mannschaft sind mit ihrer Aufgabe überfordert. "Ich als Stürmer bin natürlich besonders erschrocken, was da vorne bei uns los ist", meinte Seeler schockiert. "Wir hatten und haben in der Offensive kaum Durchschlagskraft", klagte Trainer Mirko Slomka. "Wenn wir mehr Qualität hätten, wären wir nicht da unten."

Weil sich die Beinarbeit nicht zum Positiven wendet, hat Slomka einen Mann für den Kopf geholt. Doch die Hinzunahme des Bioenergetikers Joseph Kunert ins medizinische Team, in einigen Medien gar als Geistheiler tituliert, hat zumindest kurzfristig für die Augsburg-Partie nicht gewirkt. Der Nürnberger wird seine Dienste bis zum Saisonende anbieten. Ob das aber tatsächlich hilft?

NDR-Interview Seeler