Minsk (SID) - Staatschef Alexander Lukaschenko eröffnete seine Eishockey-WM mit einem Seitenhieb auf die Kritiker. "Der Sport hat gesiegt", sagte der wegen massiver Menschenrechtsverletzungen kritisierte Präsident Weißrusslands zum Auftakt der umstrittenen Weltmeisterschaft in Minsk.

Knapp 14.000 Landsleute jubelten dem 59-Jährigen zu, als die befürchtete Propaganda-Show des letzten Diktators Europas begann. Am ersten Auftritt seines Teams hatte der begeisterte Eishockey-Fan, der selbst gerne dem Puck nachjagt, allerdings wenig Freude. Die Gastgeber waren beim 1:6 (0:1, 1:3, 0:2) gegen die USA chancenlos.

Menschenrechtler und Politiker vor allem aus Deutschland und den USA hatten einen Boykott oder eine Verlegung der WM in ein anderes Land gefordert. Lukaschenko steht wegen Wahlfälschung, der Niederschlagung von Protesten und der Verhaftung zahlreicher Oppositioneller international in der Kritik. Der Staatschef bedankte sich ausdrücklich bei René Fasel, dem Präsidenten des Weltverbandes IIHF, der sich immer für die WM in Weißrussland stark gemacht hatte. "Er ist ein wahrer Freund unseres Landes", sagte Lukaschenko.

Schon vor der Eröffnungsfeier in der Minsk Arena hatte es die erste große Überraschung der WM gegeben. Olympiasieger Kanada blamierte sich mit 2:3 (1:1, 0:0, 1:1, 0:0, 0:1) nach Penaltyschießen gegen den krassen Außenseiter Frankreich. Und Vizeweltmeister Schweiz erlebte ein böses Erwachen: 355 Tage nach dem traumhaften WM-Silber von Stockholm wurden die Eidgenossen beim 0:5 (0:3, 0:1, 0:1) gegen Rekordchampion Russland unsanft in die Realität zurückgeholt.

"Es war zwar nicht alles schlecht. Aber wir müssen viel besser werden, wenn wir hier etwas erreichen wollen", sagte der Schweizer Trainer Sean Simpson. Schon in der Vorbereitung hatte der Olympia-Neunte, der mit drei NHL-Profis antrat, gegen die deutsche Nationalmannschaft mit 0:2 verloren. Die Schweiz ist am kommenden Mittwoch der vierte Gegner der DEB-Auswahl in der Vorrundengruppe B.

Titelanwärter Tschechien startete mit einem 3:2 (1:0, 0:2, 1:0, 1:0) nach Verlängerung im Bruderduell gegen die Slowakei ins Turnier. Der zwölfmalige Weltmeister um Altstar Jaromir Jagr (42), der mit seinem 26. WM-Tor zum 2:2 die Overtime erzwang (58.), jubelte nach dem Siegtreffer von Jakub Klepis (62.). 

Für die Equipe Tricolore um den Straubinger DEL-Stürmer Laurent Meunier traf Stephane Da Costa doppelt (18. und 53.), den entscheidenden Penalty verwandelte Pierre-Edouard Bellemare. "Kanada ist Eishockey. Gegen sie zu gewinnen, ist großartig für uns", sagte Frankreichs kanadischer Coach Dave Henderson.

Schon nach 13 Sekunden war der Puck zum ersten Mal im Schweizer Tor. Sergej Plotnikow hatte mit dem ersten Schuss des Spiels getroffen. Superstar Alexander Owetschkin (7.), Wadim Schipatschjow (18.), Anton Below (30.) und Danis Saripow (59.) erzielten die weiteren Tore für die drückend überlegenen Russen.