Donezk (dpa) - Die verkürzt meist nur prorussisch genannten Kräfte im krisengeschüttelten Osten der Ukraine sind nicht zwangsläufig für einen Anschluss an Russland. Sie berufen sich aber auf gemeinsame Traditionen, Kultur und russisch-orthodoxen Glauben sowie natürlich auf die Sprache.

Es gibt zwar Menschen in der Ostukraine, die auf Hilfe von Kremlchef Wladimir Putin hoffen. Er solle zum Schutz der russischsprachigen Bevölkerung auch Streitkräfte schicken. Die große Mehrheit betont aber, dass ihnen der Erhalt ihrer Identität wichtig sei. Es gehe hier um Geschichte - und nicht um Putin, der nur eine Zeiterscheinung sei, wie oft zu hören ist.

Wer in der Region mit den Menschen auf der Straße spricht, hört auch, dass sich hier alles um slawische Wurzeln und die Zugehörigkeit zur "Russischen Welt" drehe. Westliche Werte oder ein proeuropäischer Kurs mit späterer EU-Mitgliedschaft, wie von der Führung in Kiew angestrebt, werden offen abgelehnt. Zum Beispiel eine "Schwulifizierung" wie im Westen oder sonstige Erscheinungen liberaler Toleranz-Demokratie seien hier unerwünscht, betonen viele.

Erschüttert waren die Menschen in der Ostukraine zudem, als das Parlament nach dem Sturz des moskaufreundlichen Präsidenten Viktor Janukowitsch zuerst ein Gesetz über besonderen Schutz der russischen Sprache kippte. Zwar nahm die Führung angesichts der Proteste die Entscheidung zurück - das Vertrauen ist aber dennoch zerstört.

Deshalb gilt der Konflikt in der Ukraine auch als Kulturkampf. Die Meinungen darüber, wie die russische Identität geschützt werden kann, gehen aber in der Region auseinander.

Für einen Anschluss an Russland nach dem Vorbild der Schwarzmeerhalbinsel Krim spricht sich aber nur eine Minderheit aus. Die Mehrheit favorisiert vielmehr Eigenständigkeit mit weitgehenden Autonomierechten.