Saarbrücken (dpa) - Der ADAC will mit umfassenden Reformen einen Weg aus seiner tiefen Krise finden. Die Delegierten der Hauptversammlung des Autofahrerclubs stellten sich in Saarbrücken mit großer Mehrheit hinter die Erneuerungspläne des größten deutschen Vereins.

Sie verschoben wie bereits erwartet den personellen Neuanfang an der Spitze des ADAC. Unter dem Motto "Reform für Vertrauen" sollen bis zum Spätherbst konkrete Maßnahmen erarbeitet werden.

"Die Krise hat den ADAC wachgerüttelt. Sie hat uns klar gezeigt, dass wir im Kern immer noch hervorragende und wichtige Arbeit leisten, aber uns noch neu ausrichten müssen. Unser gemeinsames Ziel muss es sein, am Ende daraus gestärkt hervorzugehen", sagte der amtierende ADAC-Chef August Markl in seiner Rede vor den 197 Delegierten des fast 19 Millionen Mitglieder zählenden Vereins.

Dabei solle auch strikter als bisher zwischen dem Verein und seinen Unternehmen getrennt werden. So sollen etwa Aufsichtsräte wie bei der Versicherungstochter des ADAC künftig mit externen Fachleuten und nicht mehr mit ehrenamtlichen Funktionären besetzt werden.

Unternehmerische Betätigung werde aber auch in Zukunft nötig sein, um die "Qualität der Mitgliederleistungen aufrecht zu erhalten". Allerdings würden die wirtschaftlichen Ziele auf ein "sinnvolles Maß" zurückgeführt. "Mitgliederorientierung kommt beim ADAC klar vor wirtschaftlicher Orientierung", sagte Markl.

Der Vereinschef bleibt bis auf weiteres an der Spitze des ADAC. Wie erwartet verschob der ADAC die Neuwahl seines Präsidenten. Markl solle den Reformprozess zunächst zu Ende führen. Erst danach werde eine neue Spitze gewählt. Frühstens auf einer außerordentlichen Hauptversammlung, die voraussichtlich Anfang Dezember stattfinden werde, spätestens aber im Mai 2015 auf der planmäßigen Tagung des Gremiums in Bochum, solle der Führungsposten neu besetzt werden. Der frühere Vizepräsident Markl war kommissarisch eingesetzt worden, nachdem Präsident Peter Meyer im Zuge des Skandals Mitte Februar zurückgetreten war.

Bis November sollen Arbeitsgruppen in etlichen Themenfeldern nach Wegen suchen, die Organisation transparenter, demokratischer und vor allem wieder glaubwürdig zu machen. Zu Beginn der Tagung hatte die saarländische Ministerpräsidentin, Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), den Club zur Erneuerung aufgerufen. Vertrauen sei das wichtigste Kapital des Autoclubs gewesen. "Das müssen Sie zurück gewinnen."

Einen Beitrag erhofft sich der Club dafür von einem sogenannten Whistle-Blower-System. Über ein via Internet benutzbares Portal können Betroffene nun auch anonym Hinweise auf Unregelmäßigkeiten oder Verstöße geben. Die Meldungen werden nicht vom Autofahrerclub selbst verarbeitet, sondern gehen an eine externe Anwaltskanzlei, um die Unabhängigkeit der Überwachung zu gewährleisten. Vergleichbare Systeme gibt es auch bei großen Unternehmen.

Der ADAC war nach dem Bekanntwerden von Fälschungen beim Autopreis "Gelber Engel" im Januar in eine tiefe Vertrauenskrise geraten. In der Folge musste sich der Autofahrerclub immer neuen Vorwürfen stellen. Rund 290 000 Mitglieder kehrten dem Verein seither den Rücken. Den seit Jahren anhaltenden Zustrom neuer Mitglieder konnte das aber nur deutlich bremsen. Zum 30. April hatte der ADAC 18 960 216 Mitglieder, immerhin 17 415 mehr als zu Jahresanfang.

10-Punkte-Plan des ADAC