Mainz (dpa) - Mirko Slomka versammelte die Profis des Hamburger SV direkt nach dem Abpfiff einer völlig verkorksten Bundesliga-Spielzeit auf dem Rasen und schwor sie in einem großen Kreis auf die Abstiegsrelegation ein.

"Wir haben zwei echte Endspiele. Die müssen wir nutzen. Wir haben den kleinen Schritt in die Relegation getan und weiter das große Ziel Klassenerhalt vor Augen. Jetzt gilt es, sich topp vorzubereiten und die Möglichkeit zu nutzen", appellierte der Trainer des in 51 Jahren noch nie abgestiegenen Bundesliga-Dinos.

Gegen den Zweitliga-Dritten kann der HSV den Absturz noch abwenden. Ausgelassene Freude darüber kam nach dem 2:3 (1:1) beim FSV Mainz 05, der fünften Niederlage in Serie, jedoch nicht auf. "Wir sind weit davon entfernt, irgendwelche Feierlichkeiten zu beginnen", stellte Vorstandschef Carl-Edgar Jarchow fest. "Es gibt keinen Grund, uns zu gratulieren. Wir haben nur das Nahziel erreicht, in die Relegation zu kommen. Das Ziel ist es aber, die erste Liga zu halten."

Schon am Sonntagvormittag trommelte Slomka seine Mannschaft wieder zusammen und stimmte sie auf das Hinspiel vor heimischer Kulisse an diesem Donnerstag ein. Trotz des durchaus gelungenen Auftritts in Mainz gab es dabei auch kritische Töne. "Mit den klaren Ergebnissen auf den anderen Plätzen ist unser Engagement vielleicht etwas zurückgegangen. Wir sind einen Schritt weniger gelaufen und haben nicht mehr so beherzt dagegengehalten. Das ärgert mich sehr, weil wir einen Punkt hätten mitnehmen können. Darüber müssen wir reden", erklärte Slomka.

Nur dank der erwarteten Patzer der Rivalen aus Braunschweig und Nürnberg dürfen die Hamburger weiter hoffen. "Danke an Schalke und Hoffenheim, dass sie die Sache seriös beendet haben", sagte Sportdirektor Oliver Kreuzer. "Wir machen jetzt einen Schlussstrich unter die Saison und konzentrieren uns auf die Relegation. Da ist auch der Kopf ganz entscheidend. Wir müssen bereit sein für diese Spiele", forderte er.

Die Profis vermittelten zumindest in den 90 Minuten von Mainz den Eindruck, dass sie den Ernst der Lage endlich erkannt haben. "Die Motivation war gut, aber das erwarte ich auch", stellte Jarchow fest. Dass sich die Hamburger für ihren Aufwand wieder einmal nicht belohnten, lag an ihrer Defensivschwäche. "Leider haben wir hinten wieder zu einfache Fehler gemacht und dem Gegner die Tore fast geschenkt", bemängelte Kreuzer nach den Treffern von Elkin Soto (7. Minute), Yunus Malli (65.) und Shinji Okazaki (82.).

Mit 75 Gegentoren war der HSV die Schießbude der Liga. Jarchow warnte daher: "Die Mannschaft macht sich vieles durch eigene Fehler kaputt. Das ist heute gut gegangen aufgrund der Patzer der Anderen. Am Donnerstag sind wir aber auf uns allein gestellt."

Dann trägt vor allem der wiedergenese Stürmer Pierre-Michel Lasogga die Hoffnungen. Bei seinem Comeback nach sechswöchiger Verletzungspause traf der 22-Jährige auf Anhieb zum zwischenzeitlichen 1:1 (12.). "Wir wollen die beiden Relegationsspiele gewinnen", tönte er danach. Den zweiten HSV-Treffer markierte Ivo Ilicevic (84.).

Trotz Lasoggas Rückkehr geht beim HSV weiter die Angst um. "Es werden Spiele wie im Pokal. In zwei Spielen weiß man - und das ist schon hunderttausendfach geschehen -, dass der unterklassige Gegner den höherklassigen sehr ärgern kann", warnte Kreuzer. "Wir müssen vorlegen und im Rückspiel den Deckel drauflegen. Wie, ist völlig egal", forderte HSV-Boss Jarchow und stellte für den Erfolgsfall schon einmal klar: "Eine Nicht-Abstiegs-Prämie wird es nicht geben. Das wäre ja noch schöner."