Kopenhagen (dpa) - Travestiestar Conchita Wurst (25) hat für Österreich den Eurovision Song Contest gewonnen. Die Ballade "Rise Like A Phoenix" brachte der Alpenrepublik nach fast 50 Jahren den zweiten ESC-Sieg in seiner Geschichte.

Zuletzt hatte 1966 Udo Jürgens mit "Merci Chérie" gewonnen. Deutschland landete in Kopenhagen in der Nacht zum Sonntag mit dem Polka-Song "Is It Right" der Newcomerband Elaiza abgeschlagen auf Rang 18 von 26. Buhrufe für die russischen Kandidatinnen trübten die Stimmung beim Liederwettbewerb. Russland steht wegen seiner Ukraine-Politik und schwulenfeindlichen Gesetze seines Präsidenten Wladimir Putin international in der Kritik.

"Das hier ist nicht nur für mich, sondern für alle, die an die Zukunft, Liebe, Frieden, Toleranz und Akzeptanz glauben", schluchzte die Dragqueen Wurst im bodenlangen goldenen Abendkleid. "Ich habe hier soviel mehr bekommen als nur eine Trophäe." Ihr Auftritt war eine Gänsehaut-Show mit Lichtstrahlen und Flammenmeer-Optik. Österreichs Rundfunkanstalt ORF hatte Wurst ohne Vorentscheid nach Dänemark geschickt. Den Sieg der Kunstfigur mit dem bürgerlichen Namen Tom Neuwirth (25) werteten viele als Zeichen für ein tolerantes, schwulenfreundliches Europa und gegen Ausgrenzung.

Der ESC wird somit 2015 wahrscheinlich in Wien ausgetragen. Conchitas Manager René Berto regte an, dass die Dragqueen moderieren könnte. "Ich wäre gern Gastgeberin", sagte Wurst. Österreich hatte am Ende mit 290 Punkten vor den Niederlanden (238) und Schweden (218) gelegen. Das ist die vierthöchste Punktzahl eines Grand-Prix-Siegers überhaupt - nach dem Norweger Alexander Rybak 2009 (387), der Schwedin Loreen 2012 (372) und der finnischen Band Lordi 2006 (292).

Viele Prominente äußerten sich in sozialen Netzwerken. Hape Kerkeling schrieb bei Facebook: "Heute sind wir alle Österreicher." Satiriker Oliver Kalkofe schrieb: "Ein klares Statement mit Stil hat gewonnen, das ist überaus erfreulich... Chapeau!"

Die Weltpolitik brachte einen Missklang nach Kopenhagen: Beim Auftritt der Tolmatschewy-Zwillinge und der Punktevergabe buhten viele in der Halle die Russinnen gnadenlos aus. Von Aserbaidschan und Weißrussland bekamen die Schwestern die Höchstpunktzahl. Estland dagegen speiste den Nachbarn Russland mit einem Punkt ab.

Auf dem drittletzten Platz landete ESC-Urgestein Ralph Siegel: Sein für San Marino komponiertes "Maybe" schaffte es nur auf Platz 24. Das Frauentrio Elaiza zeigte sich von Platz 18 nicht sehr enttäuscht. "Uns geht's super", sagte Sängerin Ela. "Wir freuen uns einfach darüber, dass wir eine geile Woche hatten." Am Sonntag um 18.00 Uhr stand schon der nächste Auftritt an: beim Hamburger Hafengeburtstag.

2013 war Deutschland mit Cascada auf Rang 21 gelandet, die Dänin Emmelie de Forest hatte den Wettbewerb mit dem verträumten "Only Teardrops" gesiegt. Die Bundesrepublik hat bislang zweimal gewonnen: 1982 mit Nicole ("Ein bißchen Frieden") und 2010 mit Lena ("Satellite"). Schlagerstar Helene Fischer verkündete die deutschen Punkte von Hamburg aus - die Höchstwertung "twelve points" ging an die Niederlande. Dem Sieger Österreich gab Deutschland sieben Punkte.

Im Saal, einer umgebauten Werfthalle, waren etwa 10 000 Zuschauer, darunter Dänemarks Kronprinz Frederik und seine Frau Mary. Geschätzt 120 bis 180 Millionen Zuschauer verfolgten das Spektakel. In Deutschland waren knapp neun Millionen Menschen am TV dabei.

Der 60. ESC soll nach vorläufigen Angaben der European Broadcasting Union am 16. Mai 2015 stattfinden, die Halbfinals am 12. und 14. Mai.

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