Wien (dpa) - "Ist das lässig", "wie geil das ist", "nimmt das jemand auf?" - der Kommentator im ORF war aus dem Häuschen.

Die Alpenrepublik schickt einen Mann in Frauenkleidern zum Eurovision Song Contest - und gewinnt souverän. Nicht weniger als 13 Länder gaben der Dragqueen Conchita Wurst die Höchstwertung von zwölf Punkten. Ausgerechnet die deutschen Nachbarn waren - ganz im Gegensatz zu Schweizern und Slowenen - mit sieben Punkten dabei ziemlich knauserig. "Die Deutschen liegen aktuell auf Platz 21", wies der Moderator süffisant auf den Misserfolg des deutschen Beitrags "Is It Right" von Elaiza hin. Am Ende war es dann Rang 18.

Wie aus einem Guss wirkten dagegen Song, Sängerin und Botschaft "Made in Austria". Ein Mann, der schon als Kind lieber wie ein Mädchen herumlaufen will, der als Jugendlicher in der Schule wegen seines Andersseins gehänselt wird, der schließlich als Künstlerin mit Bart ein Signal für Geschlechter-Toleranz gibt. Dazu eine Hymne über den legendären Vogel Phönix, der sich verwandelt aus der Asche erhebt - die Truppe um Conchita Wurst hatte unter den vielen Songvorschlägen lange gesucht. Die Zeit sei schon knapp geworden, als kurz vor Einsendeschluss das Stück im Stil eines James-Bond-Songs das Team sofort überzeugte, erzählte der 25-jährige Tom Neuwirth alias Conchita Wurst im Vorfeld.

Der Weg war steinig. Für nicht wenige in Österreich schien es lange Zeit eher peinlich oder gar eine Schande zu sein, dass eine geschlechterübergreifende Kunstfigur das Land in Europa vertreten sollte. Wurst wurde in Lokalen angepöbelt, in sozialen Netzwerken angefeindet. Nach der Zitterpartie im Halbfinale - Wurst wurde als letzte der zehn Finalisten genannt - war die Freude unverkennbar. Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) hatte den Finaleinzug als "ein starkes Zeichen für ein tolerantes und offenes Europa" gewertet. Das Interesse war schon beim Halbfinale riesig. Der Marktanteil auf ORF 1 betrug 44 Prozent.

 "Wir haben uns nicht blamiert", meinte der ORF-Kommentator Andi Knoll stark untertreibend. Dabei hatte die ESC-Welt in Kopenhagen doch schon den neuen Titel für die Dragqueen parat: "The Queen of Austria." Die landet am Sonntag am Mittag in Wien - zur Huldigung.