Brüssel (dpa) - Die Europäische Union will den möglichen Beginn eines nationalen Krisen-Dialogs in der Ukraine so gut wie möglich unterstützen.

Die 28 EU-Außenminister sicherten am Montag in Brüssel dem derzeitigen Vorsitzenden der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, dem Schweizer Bundespräsidenten Didier Burkhalter, Hilfe im Bemühen um eine Entschärfung der Krise zu. Burkhalter sagte, ein "Runder Tisch" unter Leitung des früheren deutschen Botschafter Wolfgang Ischinger könne noch diese Woche beginnen.

Die EU verschärfte im Ukraine-Konflikt zudem die Sanktionen gegen Russland. Erstmals wurden zwei Unternehmen auf der Krim, die von Russland verstaatlicht wurden, auf eine schwarze Liste der EU gesetzt. Außerdem verhängte der Staatenverbund gegen 13 weitere Personen Einreiseverbote und Kontensperrungen. Bisher gab es schon EU-Einreisverbote gegen 48 Personen.

Zuvor hatten die Minister die Rechtsgrundlage der EU-Sanktionen so geändert, dass auch Geschäftsbeziehungen zu einzelnen Unternehmen verboten werden können. Über die Verhängung noch weiter reichender Wirtschaftssanktionen gibt es nach wie vor Streit innerhalb der Union.

Zur Frage, ob an dem geplanten Runden Tisch auch Vertreter der prorussischen Separatisten sitzen werden, sagte er: "Wir diskutieren derzeit über die Modalitäten." Die Regierung in Kiew hatte zuletzt mehrfach Bedenken gegen einen Dialog mit Vertretern der bewaffneten Separatisten deutlich gemacht. Burkhalter sagte: "Ich denke nicht, dass da Leute mit Waffen kommen."

Auch in Moskau gebe es eine Offenheit für den Dialog, sagte Burkhalter. Es sei ein gutes Zeichen, dass Russland am Montag von einer "Respektierung" und nicht von einer "Anerkennung" des umstrittenen Referendums gesprochen habe. Die OSZE stufe die Befragung aber als klar rechtswidrig ein. "Das Referendum gehört zu jenen Aktionen, die die Dinge eher erschweren könnten."

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte, er werde am Dienstag erneut nach Kiew reisen und auch den Süden oder Osten des Landes besuchen. Man müsse auch mit Hilfe der OSZE jetzt "versuchen, Brücken zu schlagen über die verschiedenen Lager hinweg".

Die Beratungen des Runden Tisches sollen durch öffentliche Konferenzen (Town Hall Meetings) in verschiedenen Städten ergänzt werden. Dies soll laut Burkhalter "helfen, die Polarisierung der ukrainischen Gesellschaft rückgängig zu machen". Dabei müsse es unter anderem um Dezentralisierung und um den Status der russischen Sprache gehen.

Die OSZE tut nach den Worten Burkhalters alles, damit die Präsidentenwahl am 25. Mai frei und fair verlaufen könne. Mit rund 1000 Beobachtern werde die Mission eine der größten in der Geschichte der OSZE sein.

Steinmeier sagte, falls die Präsidentenwahl vom 25. Mai nicht zustande komme, "dann müssen wir auch über weitergehende Sanktionen reden". Der österreichische Außenminister Sebastian Kurz warnte jedoch vor umfassenden Wirtschaftssanktionen, die die Staats- und Regierungschefs im März für den Fall einer weiteren Destabilisierung der Ukraine angedroht hatten. Man solle diese Strafen "nicht herbeisehnen", sagte Kurz. "Denn sie würden nicht nur Russland schaden, sondern sie würden definitiv auch uns schaden."

Der britische Außenminister William Hague widersprach energisch: "Es ist wichtig, dass wir demonstrieren, dass wir zu einer dritte Phase der Sanktionen bereit sind." Dies hänge von Russlands Haltung zu den am 25. Mai geplanten Wahlen ab.

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