Brüssel/Kiew (dpa) - Nach dem umstrittenen Referendum im Osten der Ukraine haben sich die abtrünnigen Regionen Donezk und Lugansk am Montag von Kiew abgespalten. Die selbst ernannte "Volksrepublik Donezk" bat zudem Moskau um Anschluss an Russland.

Der Westen betrachtet ebenso wie die Regierung in Kiew das Referendum als illegal. Dagegen erklärte Russland, das erst vor kurzem die ukrainische Halbinsel Krim annektiert hatte, es "respektiere" die Willensbekundung der Bevölkerung der ostukrainischen Regionen. Außenminister Frank-Walter Steinmeier zeigte sich enttäuscht über diese russische Reaktion. Er habe sich distanziertere Kommentare des Kremls erhofft, sagte der Minister am Montag in Brüssel.

Nach dem Willen der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) sollen sich die verfeindeten Lager in der Ukraine an einem Runden Tisch versöhnen. Ein "nationaler Dialog" unter Leitung des früheren deutschen Botschafters Wolfgang Ischinger könne schon diese Woche beginnen, sagte OSZE-Chef Didier Burkhalter am Montag. Die EU unterstützt die OSZE-Initiative, verschärfte aber zugleich ihre Sanktionen gegen Russland.

In Lugansk sprachen sich laut der selbst ernannten Wahlkommission knapp 96 Prozent für eine Unabhängigkeit aus - bei einer Wahlbeteiligung von 81 Prozent. In Donezk hieß es, die Zustimmung für eine Selbstständigkeit betrage 89 Prozent. Hier hätten sich knapp 75 Prozent der Abstimmungsberechtigten beteiligt. Die Unruhe-Region Lugansk rief offiziell ihre Unabhängigkeit als "Volksrepublik" aus. Die Bevölkerung des Gebiets habe klar für einen souveränen Staat gestimmt, hieß es in einer am Montag veröffentlichten Erklärung.

Die prowestliche Regierung in Kiew hält das Referendum für rechtswidrig, da es in der Ukraine kein Gesetz über lokale Volksabstimmungen gibt. Sie erkennt die Ergebnisse deshalb nicht an.Die Europäische Union und die USA vertreten dieselbe Haltung. Steinmeier bewertet das Referendum als illegal. "Es steht völlig quer zu den verfassungsrechtlichen Vorgaben in der Ukraine."

Lediglich Russland erkennt das Referendum an. "Es wird Aufgabe der nächsten Stunden sein, herauszubekommen, wie genau wir diese Haltung Russlands interpretieren sollen", sagte Steinmeier. "Eine Unterstützung jeglicher Formen von Separatismus jedenfalls wäre der falsche Weg." Steinmeier wollte am Dienstag nach Kiew zu Gesprächen mit der ukrainischen Führung fliegen und anschließend das Krisengebiet im Osten des Landes besuchen.

Die 28 EU-Außenminister verhängten bei einem Treffen in Brüssel gegen 13 weitere Personen Einreiseverbote und Kontensperrungen. Seit März waren schon Einreisverbote gegen 48 Personen ergangen. Erstmals wurden zudem zwei Unternehmen auf der Krim, die von Russland verstaatlicht wurden, auf eine schwarze Liste der EU gesetzt. Ob und wann harte Wirtschaftssanktionen folgen sollen, ist umstritten. Steinmeier sagte, darüber müsse man reden, falls die am 25. Mai in der Ukraine geplante Präsidentenwahl nicht zustande komme.

Ob Gespräche an einem Runden Tisch überhaupt zustande kommen, hängt stark von der Regierung in Kiew ab. Die dortige Führung lehnt es bislang ab, mit den größtenteils bewaffneten prorussischen Separatisten direkt zu verhandeln. Die Staatsmacht hat nach eigenen Angaben die Kontrolle über die Region weitgehend verloren.

Burkhalter sagte zur Frage, ob an dem geplanten Runden Tisch auch Separatisten sitzen sollen, man diskutiere derzeit die Modalitäten. "Ich denke nicht, dass da Leute mit Waffen kommen." Ischinger soll das Gremium in einer Doppelsitze leiten, zusammen mit einem noch nicht benannten ukrainischen Vertreter. Der 68 Jahre alte frühere Spitzendiplomat ist Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz.

Die Beratungen des Runden Tisches sollen nach dem OSZE-Plan durch öffentliche Konferenzen (Town Hall Meetings) in verschiedenen ukrainischen Städten ergänzt werden. Hauptthemen wären laut Burkhalter unter anderem eine stärkere Dezentralisierung und ein gesicherter Status der russischen Sprache. Auch Moskau wünscht sich, dass alle Regionen mehr Eigenständigkeit erhalten, mit weitreichender Autonomie besonders für die russisch geprägten Gebiete.

Nach dem Referendum schlug Kiew scharfe Töne an. Interimspräsident Alexander Turtschinow sagte: "Diese Propaganda-Farce hat keine juristischen Folgen - außer Strafverfahren gegen die Organisatoren." Ziel der Initiatoren sei es, die Lage maximal zu destabilisieren, um die Präsidentenwahl in zwei Wochen zu verhindern.

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, warnte vor möglichen globalen Folgen der Ukrainekrise. "Es ist ein neues Risiko für die Weltwirtschaft", sagte sie dem "Handelsblatt". Die frühere französische Finanzministerin sagte zudem, dass die Ukraine mehr als die vom IWF bereits zugesagten Hilfen in Höhe von 17 Milliarden Dollar benötigen werde.

Russland drohte der nahezu bankrotten Ukraine ultimativ mit einem Stopp der Gaslieferungen vom 3. Juni an. "Falls keine Vorauszahlung eintrifft, wird die Ukraine im Juni auch null Kubikmeter Gas erhalten", sagte der Chef des Staatskonzerns Gazprom, Alexej Miller, am Montag bei einem Treffen mit Ministerpräsident Dmitri Medwedew. Russland werde an diesem Dienstag die Rechnung für Juni schicken. Stichtag sei der 3. Juni um 10.00 Uhr (8.00 Uhr MESZ), sagte Miller. Russland fordert von der Ukraine 3,508 Milliarden US-Dollar (2,55 Milliarden Euro) für Gas und verlangt deshalb neuerdings Vorkasse.

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Awakows Facebook-Mitteilung zu Kämpfen, Russisch

OSZE-Sondermission in der Ukraine

Reisehinweise Auswärtiges Amt für die Ukraine