Berlin (dpa) - Nur noch einmal in Schwarz-Gelb - künftig in Rot. Kein Profi steht beim Pokalfinale zwischen den beiden Branchenführern aus Dortmund und München mehr im Rampenlicht als Robert Lewandowski.

"Es ist alles gut. Ich kann spielen", sagte der Torjäger bei der Ankunft der Mannschaft am Freitag auf dem Berliner Flughafen. Der Torschützenkönig derBundesliga hatte am Donnerstag das Training der Dortmunder wegen Wadenproblemen vorzeitig abgebrochen und damit Zweifel an seiner Einsatzfähigkeit genährt.

Nun aber läuft der Torjäger ein letztes Mal am Samstag in den Farben des Revierclubs auf, von der kommenden Saison an schlüpft er in das Trikot des Erzrivalen. Die Sorge, dass dem Polen der Druck im Berliner Olympiastadion zu groß werden könnte, hält sich bei Hans-Joachim Watzke in Grenzen. "Von allen Fußballspielern auf der Welt wird Robert damit am gelassensten umgehen", sagte der BVB-Geschäftsführer der Nachrichtenagentur dpa. "Für sein Entree beim FC Bayern ist es viel besser, wenn er als Pokalsieger kommt."

Es spricht für Lewandowski, dass ihn die Fans bereits vor zwei Wochen in seinem letzten Heimspiel für den BVB mit Ovationen verabschiedeten. Anders als Mario Götze, dessen Wechsel zum FC Bayern vor einem Jahr in Dortmund noch immer die Gemüter erregt, erfreut sich sein künftiger Vereinskollege beim Revierclub noch immer höchster Wertschätzung.

In München wächst die Vorfreude auf Lewandowski. "Ich bin überzeugt, dass er erstklassig zum FC Bayern passt und eine große Verstärkung für uns werden wird", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Auch Abwehrspieler Dante hält große Stücke auf seinen künftigen Mannschaftskollegen: "Jeder weiß, dass er ein Weltklassestürmer ist. Er wird im Finale alles für Dortmund geben, aber wir auch dafür, dass er kein Tor schießt."

Mit vollmundigen Ankündigungen pflegte Lewandowski in den vergangenen Tagen seinen Ruf als Musterprofi: "Mich interessiert mein neuer Arbeitgeber im Moment überhaupt nicht. Ich möchte einen krönenden Abschluss - am liebsten mit einem Pokal in der Hand", sagte er der "Sport Bild" und versprach: "Wir werden in Berlin ein Feuerwerk abbrennen."

Für Lewandowski ist es ein Déjà-vu. Schon vor dem Champions-League-Finale beider Mannschaften in London ein Jahr zuvor galt sein Wechsel zum FC Bayern als ausgemachte Sache. Doch der BVB verweigerte ihm ein Jahr vor dem Vertragsende die Freigabe. Dieses Machtwort hat Watzke bis heute nicht bereut. Wie vom Geschäftsführer prophezeit, hat der Angreifer den dadurch verloren gegangenen Transfererlös mit wichtigen Toren in der Bundesliga und in der Champions League wieder eingespielt. Zudem gewann er in dieser Saison mit 20 Treffern erstmals die Bundesliga-Torjägerkanone.

Von der Abschlussschwäche, die ihm in seiner ersten BVB-Saison in den Boulevard-Medien den wenig schmeichelhaften Beinamen "Lewandoofski" einbrachte, redet kaum noch jemand. Mit jeder Saison steigerte er seinen Marktwert. Der im Sommer 2010 für 4,5 Millionen Euro von Lech Posen verpflichtete Nobody gilt spätestens nach seinen furiosen vier Treffern im letztjährigen Champions-League-Halbfinale gegen Real Madrid zum 4:1-Sieg seiner Mannschaft als einer der weltbesten Stürmer. "Trainingsfleiß, Ehrgeiz, Eigenmotivation sind bei ihm absolut außergewöhnlich. Lewi ist Paradebeispiel für Scouting und Geduld", kommentierte Trainer Jürgen Klopp.

Das Berliner Olympiastadion scheint Lewandowski zu inspirieren. Im denkwürdigen Pokalfinale 2012 gegen den FC Bayern erzielte er beim 5:2-Sieg der Borussia drei Treffer. Und beim 4:0 über Hertha am vorigen Samstag traf er zweimal - und machte dabei sogar erstmals als Freistoß-Kunstschütze von sich reden. BVB-Sportdirektor Michael Zorc hofft auf Duplizität der Ereignisse: "Er ist ein einzigartiger Spieler. Einmal muss er das jetzt noch für uns beweisen."