Berlin (dpa) - Die komplexe Technik und Mängel bei der Bauausführung haben aus Sicht eines beteiligten Ingenieurs die Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens verhindert.

Bereits Mitte März 2012 habe sich klar abgezeichnet, dass der Brandschutz zum geplanten Eröffnungstermin im folgenden Juni nicht genehmigt werden könne, sagte der Brandschutzexperte Andreas Dahlitz vom Ingenieurbüro HHP Berlin am Freitag vor dem Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses. Die Eröffnung wurde aber erst am 8. Mai abgesagt, dreieinhalb Wochen vor dem geplanten Termin.

Dahlitz machte deutlich, dass nicht allein die Entrauchungsanlage, die im Brandfall rauchfreie Fluchtwege schaffen soll, das Problem sei. "Das komplexe Zusammenspiel funktioniert nicht", sagte er. HHP habe das Brandschutzkonzept für den Flughafen erstellt, verbunden mit den Anforderungen an Feuerwehr-Zugänge, die Organisation eines Rettungseinsatzes, bauliche Elemente und Anlagetechnik. Die technischen Anlagen, darunter auch die Entrauchungsanlage, seien aber von Fachplanern konzipiert worden.

HHP sei davon ausgegangen, dass das System mit Brandmeldung, Entrauchung und Sprinkleranlage funktioniere. Das Ingenieurbüro habe dies aber nicht kontrolliert, weil das nicht zu seinen Aufgaben gehört habe. Im März 2012 habe er in einem Brief an das Bauordnungsamt seine Bedenken gegen den Plan geltend gemacht, das vollautomatische Brandschutzsystem an einer Schnittstelle durch manuellen Betrieb zu ersetzen, berichtete der Ingenieur.

In einer Stellungnahme vom 17. April 2012 habe HPP schließlich festgestellt, dass die Anlage "nicht genehmigungsfähig" sei. Zusätzlich habe er diese Erkenntnis am 19. April per Einschreiben dem damaligen Technikchef Manfred Körtgen mitgeteilt, sagt Dahlitz. Der Untersuchungsausschuss will Körtgen zu einem späteren Zeitpunkt befragen. Körtgen wurde wenige Wochen nach dem Platzen des Eröffnungstermins von seinen Aufgaben entbunden.

Einladung BER-Untersuchungsausschuss