Jerusalem/Bethlehem (dpa) - Papst Franziskus will im kommenden Monat im Vatikan ein Nahost-Friedenstreffen auf höchster Ebene abhalten. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas nahm die beim Besuch des Pontifex im Heiligen Land überraschend ausgesprochene Einladung an, wie ein Sprecher bestätigte.

Auch das Büro des israelischen Staatspräsidenten Schimon Peres, dessen Amtszeit in zwei Monaten zu Ende geht, signalisierte Zustimmung. Der Papst betonte, die beiden würden gemeinsam mit ihm intensiv beten. Es gehe darum, "von Gott das Geschenk des Friedens zu erflehen." Alle wollten den Frieden, sagte der Papst.

Nach einem Besuch in Bethlehem wurde der Argentinier am Sonntag in Israel mit militärischen Ehren empfangen. Bei seiner Ankunft auf dem Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv äußerte Papst Franziskus tiefes Bedauern und große Trauer über den Anschlag auf das Jüdische Museum in Brüssel. Peres dankte ihm für seine "entschlossene Haltung gegen den Antisemitismus". Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sprach im Zusammenhang mit dem tödlichen Anschlag in Brüssel von Judenhass als "Verbrechen gegen Gott und die Menschheit".

Bei der Begrüßung griff Franziskus seine Einschätzung wieder auf, wonach es im Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern zum Frieden keinerlei Alternative gebe. "Der Weg des Dialogs, der Versöhnung und des Friedens muss ständig neu begangen werden, mutig und unermüdlich." Gleichzeitig bekräftigte er, die vom Vatikan befürwortete Zwei-Staaten-Lösung müsse Realität werden und nicht nur ein Traum bleiben.

Franziskus kam vor allem für die Jubiläumsfeier des ersten Treffens eines Papstes mit dem Patriarchen von Konstantinopel vor 50 Jahren nach Israel. Zu einem außerordentlichen ökumenischen Treffen in der Grabeskirche von Jerusalem wollte Franziskus am späten Sonntag mit dem Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I., zusammenkommen. Erstmals hatten Führer der katholischen und der orthodoxen Kirchen dort gemeinsam einen Gottesdienst geplant.

Sie erinnerten damit an die historische Begegnung von Papst Paul VI. und Patriarch Athenagoras in Jerusalem vor 50 Jahren. Ihr brüderliches Treffen heute sei ein "neuer und nötiger Schritt auf dem Weg hin zur Einheit", hielten Franziskus und der Patriarch in einer gemeinsamen Erklärung fest. Die Unterschiede seien nicht zu leugnen, vieles sei noch zu tun, sagte der Papst.

Nach einem Treffen mit Abbas in Bethlehem zelebrierte der Pontifex vor Tausenden jubelnden Palästinensern auf dem Krippenplatz vor der Geburtskirche eine Heilige Messe. Bei seiner Fahrt durch Bethlehem stieg Franziskus dann plötzlich aus seinem Papamobil aus und näherte sich der israelischen Trennmauer. Er sei damit vom Programm abgewichen, berichteten Kirchenkreise in der Stadt im Westjordanland. Franziskus, der gern überraschende Gesten sprechen lässt, schien an der von Israel entlang der Palästinensergebiete errichteten Zementbarriere einige Momente wie im Gebet zu verharren.

Abbas dankte dem Oberhaupt der katholischen Kirche für seine Bemühungen, "unserem Volk Gerechtigkeit und Rechte zu bringen". "Ich sende eine Botschaft an unsere israelischen Nachbarn, eine Friedensbotschaft: "Lasst uns Frieden schließen!"", sagte Abbas. Beide Völker teilten das gleiche Bedürfnis nach Frieden und Sicherheit. Ende April waren jedoch neunmonatige Friedensgespräche ergebnislos zu Ende gegangen.

Vor seiner Weiterreise nach Israel besuchte der Papst ein palästinensisches Flüchtlingslager. Wegen des Streits zwischen Israel und Palästinensern um Jerusalem konnte Franziskus jedoch die wenigen Kilometer zwischen beiden Städten nicht im Auto zurücklegen. Stattdessen musste er per Hubschrauber zur offiziellen Begrüßung in Israel rund 50 Kilometer fliegen - und dann dieselbe Strecke gleich wieder zurück.

Die israelische Polizei nahm vor dem Besuch des Papstes 26 jüdische Extremisten bei einer Protestaktion am Davidsgrab in Jerusalem fest. Dort im Abendmahlsaal will der Papst am Montag eine Messe lesen. Die Reise endet am Montag nach einem Besuch der Klagemauer und der Holocaustgedenkstätte Yad Vashem.

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