Köln (SID) - Das deutsche Endspiel in der Champions League der Handballer ist perfekt. Meister THW Kiel greift nach einem 29:26 (13:13) im Halbfinale des Final Four in Köln gegen den ungarischen Champion MKB Veszprem nach seinem vierten Triumph in der Königsklasse, die SG Flensburg-Handewitt kann sich die wichtigste Trophäe im europäischen Vereinshandball zum ersten Mal sichern.

In der Vorschlussrunde gewann die SG in einem Handball-Krimi und nach toller Aufholjagd gegen Top-Favorit FC Barcelona 5:3 im Siebenmeterwerfen. Nach der Verlängerung hatte es 36:36 (32:32, 18:17) gestanden. Das Endspiel findet am Sonntag (18.00 Uhr/Eurosport) statt.

"Dass wir in der letzten Viertelstunde noch die Kraft hatten, da staune ich selbst", sagte THW-Trainer Alfred Gislason: "Wir haben taktisch sehr gut gespielt. Unsere Tempogegenstöße haben Veszprem das Genick gebrochen. Ich bin stolz auf mein Team. Wir haben uns niemals aufgegeben."

Besonders in der Anfangsphase hatte der deutsche Rekordmeister einige Probleme - ein 8:11-Rückstand war die Folge (21.). Angetrieben vom überragenden Torwart Andreas Palicka, einer starken Abwehr und einfachen Toren nach Kontern kam der THW aber immer besser ins Spiel. "Wir haben eine sehr starke zweite Halbzeit gespielt. Wir hatten eine gute Deckung. Ich bin froh, dass ich der Mannschaft helfen konnte", sagte Palicka, der 13 Paraden zeigte.

Bester THW-Werfer vor 20.000 Zuschauern war Aron Palmarsson mit sieben Toren. Etwas übermotiviert wirkte hingegen Christian Zeitz, der im Sommer zu den Ungarn wechselt. Der ehemalige Nationalspieler hatte schon nach 17 Minuten zwei Strafzeiten kassiert.

Nach dem Wechsel zogen die Kieler, die die Champions League 2007, 2010 und 2012 gewonnen hatten, schnell auf 19:16 davon (41.). Bei Veszprem lagen die Nerven zu diesem Zeitpunkt blank, Renato Sulic sah nach einem Ellbogenstoß gegen Nationalspieler Patrick Wiencek die Rote Karte (43.).

Der THW bestrafte in der Folge die Fehler des Gegners mit seinen gefürchteten Kontern und lag sieben Minuten vor dem Ende mit vier Treffern vorne (27:23). Veszprem kam zwar noch einmal auf zwei Treffer heran (26:28/55.), doch Kiel behielt in der hektischen Schlussphase die Übersicht.

Flensburg bot dem spanischen Meister, der im Vorjahr das Endspiel nach Verlängerung gegen den HSV Hamburg verloren hatte, einen großen Kampf. Torhüter Mattias Andersson trieb die Star-Auswahl um Ex-Welthandballer Nikola Karabatic mit seinen Paraden immer wieder zur Verzweiflung. So führte der Tabellendritte der Bundesliga, der 2004 und 2007 das Finale der europäischen Königsklasse verloren hatte, in der 34. Minute mit 21:18.

Der siebenmalige Titelträger Barcelona behielt aber die Nerven und nutzte die Breite seines Kaders aus. Nach 40 Minuten lagen die Katalanen mit 25:22 in Führung, Flensburg agierte im Angriff in dieser Phase zu fehlerhaft.

Die SG steckte aber auch bei einem 26:32-Rückstand nicht auf. Holger Glandorf sorgte erst für das 31:32, dann traf der Nationalspieler zwei Sekunden vor dem Ende mit seinem achten Tor zum Ausgleich. In der Verlängerung zog Barcelona wieder davon (35:33/65.), doch der für Andersson ins Tor gekommene Sören Rasmussen hielt die Norddeutschen im Spiel.

Im Siebenmeterwerfen behielten alle fünf Flensburger Schützen die Nerven, Andersson parierte hingegen gegen Karabatic. Durch den Finaleinzug der beiden deutschen Teams hält eine Serie. Seit dem Triumph Barcelonas im Jahr 2005 kommt der Champions-League-Sieger immer aus Deutschland oder Spanien. 2004 hatte der slowenische Spitzenklub RK Celje gewonnen.