Berlin (dpa) - Sparer müssen nach Einschätzung von DIW-Chef Marcel Fratzscher noch mehrere Jahre mit niedrigen Zinsen leben. Nach seiner Prognose werden die Zinsen für die kommende zwei bis drei Jahre so niedrig wie jetzt bleiben.

"Die Sparer müssen daher nach alternativen Sparmöglichkeiten suchen, im Inland wie im Ausland", sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) der "Berliner Zeitung" vor der mit Spannung erwarteten Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) an diesem Donnerstag.

Fratzscher zeigte Verständnis für die Klagen über niedrige Zinsen und die Folgen für Sparer. "Die Niedrigzinspolitik trifft die Sparer hart, da sie schwerer Vorsorge betreiben können", sagte der DIW-Chef weiter. Er verteidigte aber auch die Strategie der obersten Währungshüter: "Höhere Zinsen würden die noch immer niedrige Wirtschaftsleistung weiter schwächen und noch mehr Menschen ihre Beschäftigung kosten." Es wird erwartet, dass die EZB den Leitzins vom aktuellen Rekordtief von 0,25 Prozent weiter senken wird. Niedrige Zinsen können die Konjunktur ankurbeln und den Preisauftrieb beschleunigen.

Der Leiter der Bankenaufsicht bei der Finanzaufsicht Bafin, Raimund Röseler, warnte auf "Spiegel Online" vor den Folgen der Niedrigzinsphase für die Institute: "In Zeiten niedriger Zinsen wird es zunehmend schwieriger, angemessene Erträge zu erwirtschaften - vor allem für Banken, deren Geschäftsmodell auf klassische Bankgeschäfte wie das Kredit- und Einlagengeschäft ausgerichtet ist." Diese Ertragsschwäche könne auch die Kapitalausstattung beeinträchtigen und die Banken dazu verleiten, in riskantere Geschäftsfelder zu investieren. "Ein akutes Problem sehen wir hier aber bislang nicht", betonte er.

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