Danzig (SID) - Die deutsche Handball-Nationalmannschaft hat im Hexenkessel von Danzig Nerven gezeigt und muss um die Teilnahme an der WM im kommenden Januar in Katar bangen. Das Team von Trainer Martin Heuberger verlor nach einem Einbruch in der zweiten Halbzeit das Play-off-Hinspiel in der WM-Qualifikation in Polen mit 24:25 (12:9) und verpasste eine günstigere Ausgangsposition für das Rückspiel am kommenden Samstag in Magdeburg (15.15 Uhr/ZDF). 

Vor 10.500 Zuschauern in der ausverkauften Ergo-Arena verlor das DHB-Team nach starker erster Halbzeit den Faden und gab den Sieg noch aus der Hand. Zu den besten Torschützen des Weltmeisters von 2007 gehörten Michael Kraus (Frisch Auf Göppingen) mit fünf Treffern sowie Patrick Groetzki und Uwe Gensheimer (beide Rhein-Neckar Löwen) mit je vier Toren. Gensheimer hatte das Team in seiner neuen Rolle als Kapitän aufs Feld geführt. Vorgänger Oliver Roggisch und Carsten Lichtlein wurden kurz vor Anpfiff noch aus dem Kader gestrichen.

Angeführt vom starken Spielmacher Michael Kraus begann das DHB-Team äußerst druckvoll und agierte im Angriff sehr variabel. Mit Gensheimers erstem Treffer (15.) setzten sich die Gäste früh auf 7:4 ab. Probleme gab es allerdings mit den Siebenmetern, sowohl Gensheimer als auch Michael Allendorf verwarfen.

Die Polen hatte große Mühe im Spielaufbau. Ohne den an der Schulter verletzten Spielmacher Bartlomiej Jaszka (Füchse Berlin) lief im Sturm zunächst nicht viel zusammen. Nach der Pause drehten die Hausherren jedoch auf und gingen nach 40 Minuten erstmals in Führung (16:15). Angepeitscht von den kreischenden Fans verteidigte der Vize-Weltmeister von 2007 mit enormem Kraftaufwand die Führung. Die Abwehr und Torwart Silvio Heinevetter ließen sich zu oft düpieren und konnten die knappe Niederlage nicht verhindern.

Der wechselhafte Auftritt dürfte der deutschen Mannschaft nur wenig Selbstvertrauen für die schwierige Aufgabe im Rückspiel geben. Sollten Gensheimer und Co. den Gesamtvergleich gegen den EM-Sechsten verlieren, hätte das allerdings verheerende Auswirkungen. Das Aushängeschild der stärksten Handball-Liga der Welt wäre nach Olympia 2012 und der EM 2014 erneut bei einem großen Turnier nicht dabei und hätte den Anschluss an die Weltspitze endgültig verloren. 

Auch für Heuberger hätte ein Ausscheiden wohl Konsequenzen. Der umstrittene Schutterwalder würde voraussichtlich seinen Posten als Bundestrainer verlieren. Der Vertrag des langjährigen Assistenten von Vorgänger Heiner Brand läuft noch bis zum Sommer, und der 50-jährige Heuberger würde auch gerne weitermachen. Doch nach dem erneuten Scheitern wäre die neue DHB-Spitze zum Neuanfang gezwungen, der konsequenterweise auch einen Trainerwechsel nach sich ziehen würde.

DHB-Vizepräsident Bob Hanning hatte vor dem Spiel versucht, den Druck von Heuberger zu nehmen. "Jetzt eine Bundestrainer-Debatte aufzumachen, wäre kontraproduktiv", hatte der Manager der Berliner Füchse gemeint. Allerdings wies der DHB-Vize auch auf die schwierige Situation für die Nationalmannschaft im Falle eines Scheiterns hin. "Dann hätten wir auch nur noch eine theoretische Chance, uns für die Olympischen Spiele zu qualifizieren", so Hanning.