London (dpa) - Helden und Schurken, die im Schatten agieren und in der Stadt ihre Spuren hinterlassen: Das kennt man aus Comic-Heften oder von Kinoleinwänden. Doch so ähnlich ist es auch beim britischen Streetart-Künstler Banksy.

Akribisch hält er seine Identität geheim und bemalt unbeobachtet Mauern in zahlreichen Städten der Welt - immer wieder mit sozialkritischen Motiven.

Jedes Mal ist die Aufregung groß, wenn ein neuer Banksy an einer Hauswand gesichtet wird: Seine Fans pilgern zu den Bildern, wie dem Mädchen mit dem roten Herz-Luftballon, das er an eine Hauswand im Osten von London gezeichnet hat. Die Behörden würden ihn lieber wegen Vandalismus zur Rechenschaft ziehen.

Die völlige Anonymität des Künstlers beflügelt die Fantasie seiner Anhänger. Der Mythos lässt die Marke Banksy stetig wachsen. Das haben auch die großen Kunsthäuser Londons erkannt. Das Auktionshaus Sotheby's zeigt in seiner Londoner S2-Galerie vom 11. Juni an eine Retrospektive von Werken Banksys.

Kurator der Ausstellung ist Banksys ehemaliger Agent Steve Lazarides. Die beiden gehen schon seit 2009 getrennte Wege. Von der Ausstellung soll Banksy nicht sonderlich begeistert sein. "Er weiß davon, aber gut findet er es nicht", sagt Lazarides. Deshalb heiße die Ausstellung auch "The Unauthorized Retrospective" - die unautorisierte Retrospektive.

Informationen über den sagenumwobenen Künstler verweigert Lazarides fast ganz. Er erzählt Anekdoten aus alten Tagen, die in ähnlicher Form seit Jahren bekannt sind. Zum Beispiel über Banksys Ausstellung "Turf War" 2003 in London, bei der der Streetartist-Macher Tiere besprühte und sie als Kunstwerke durch die Ausstellung laufen ließ. Daraufhin kettete sich eine Tierschutz-Aktivistin in der Ausstellung fest und wurde prompt integriert. Amüsante Geschichten, aber die brennenden Fragen bleiben unbeantwortet: Was ist Banksy für ein Typ? Wie arbeitet er? Hat er Helfer? Lazarides blockt ab: zu detailliert, zu persönlich.

Warum sich die Wege von Agent und Künstler nach einem Jahrzehnt Zusammenarbeit getrennt haben, erklärt Lazarides ebenso vage. Sie hätten sich in verschiedene Richtungen entwickelt und Lazarides habe sich neuen Projekten widmen wollen. Die Zeit mit Banksy sei aber großartig und ein Privileg gewesen.

Eine Nebenwirkung der Anonymität Banksys ist, dass Fremde immer wieder versuchen, sich an seiner Kunst zu bereichern. Kürzlich sorgte eine Auktion in London für Aufsehen, bei der Mauerstücke versteigert werden sollten, auf denen Banksys Werke zu sehen waren. Die Wandteile hat eine unbekannte Agentur aus Gebäuden gestemmt und zum Verkauf angeboten. Derartige Aktionen verurteilt Lazarides scharf: "Diese Bilder waren für die Öffentlichkeit und nicht zum Verkauf bestimmt. Keiner der Verkäufer kann mir erzählen, dass er bei der Aktion die Werke erhalten wollte. Die wollten einfach nur Profit machen."

Und Lazarides selbst? "Alle Werke, die hier hängen, hat Banksy ursprünglich an Personen verkauft. Er hat damit seinen Profit gemacht. Ich habe die Bilder nun gesammelt für diese Ausstellung." Darunter seien auch einige noch nie gezeigte Werke.

Die Echtheit der Bilder sei zertifiziert, betont Fru Tholstrup, Direktorin der S2-Gallerie. Auch Cheyenne Westphal, Vorsitzende des Bereichs Zeitgenössische Kunst bei Sotheby's, bescheinigt Lazarides Glaubhaftigkeit. Natürlich kenne auch sie Banksy nicht, aber die gemeinsame Vergangenheit der beiden sei schließlich bekannt.

Banksy nutzt seine eigene Website zeitweise als Sprachrohr, indem er dort in kurzen Statements Stellung nimmt zu Ereignissen um seine Person, aber auch zum aktuellen Weltgeschehen. Den Verkauf der demontierten Mauerteile bewertete der Künstler als "ekelhaft" und distanzierte sich von der geplanten Auktion. Zur unautorisierten Retrospektive schweigt Banksy bislang.

Banksys Homepage

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