Rio de Janeiro (dpa) - Die Bühne ist bereitet. Brasilien fiebert dem Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft entgegen. Nach 64 Jahren kehrt am Donnerstagabend die WM ins Land des Rekordchampions zurück.

Nicht alles ist zu 100 Prozent fertiggestellt worden, und auch am Tag des WM-Auftakts verlief nicht alles reibungslos. Wenige Stunden vor dem Beginn des Turniers ist ein Teil des Bodenpersonals an den Flughäfen der Millionenstadt Rio de Janeiro in den Streik getreten. Ausgerufen wurde der 24-stündige Ausstand von der lokalen Gewerkschaft SIMARJ, die damit gegen die seit Monaten festgefahrenen Tarifverhandlungen protestiert.

Brasiliens Fußballer werden dagegen kaum streiken. Drei Punkte zum Auftakt gegen Kroatien sind fest eingeplant. "Die Zeit ist gekommen. Das ist unsere WM", kündigte der brasilianische Nationaltrainer Luiz Felipe Scolari an und Neymar ergänzte: "Ich hoffe, dass ich dazu beitragen kann, dass unser Traum wahr wird."

Den Traum haben aber auch 31 weitere Teams. Inzwischen sind alle Mannschaften in Brasilien eingetroffen, als letzte Teams kamen Südkorea sowie die beiden deutschen WM-Gruppengegner Ghana und Portugal. Nicht nur anwesend, sondern auch zu 99,9 Prozent fit ist Portugals Weltfußballer Cristiano Ronaldo, wie er der portugiesischen Sportzeitung "A Bola" sagte.

Neben den sportlichen Schlagzeilen sorgte der Streik des Flughafen-Bodenpersonals in Rio für Nebengeräusche, wenngleich die Auwirkungen in den ersten Stunden gering waren.

An Rios internationalem Flughafen Galeão sei es weder zu langen Schlangen noch größeren Wartezeiten gekommen, meldete der Sender "O Globo". Auch die Mitarbeiter der Flughäfen Santos Dumont und Jacarepaguá wurden zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Nach einem Urteil eines Arbeitsgerichts werden sich aber nur rund 20 Prozent der Beschäftigten an dem Protest beteiligen, wie die Gewerkschaft mitteilte. Sie fordert unter anderem bis zu 12 Prozent mehr Lohn, kürzere Arbeitszeiten und einen Zuschlag für die Mehrarbeit während der WM. In dieser Zeit würden etwa 20 000 zusätzliche Flüge erwartet, 2000 davon in Rio, wo am 13. Juli das WM-Finale stattfindet.

Brasiliens Luftfahrtbehörde Anac teilte mit, sie beobachte die Situation und prüfe mögliche Auswirkungen auf den Flugbetrieb. Bei den Fluggesellschaften lägen Notfallpläne bereit. In der WM-Eröffnungsstadt São Paulo ist derweil ein neuer Streik der U-Bahnfahrer abgewendet worden. Die Gewerkschaft beschloss am Vortag den Ausstand nicht fortzusetzen. Sie wird aller Voraussicht nach das Angebot für eine Lohnerhöhung von 8,7 Prozent annehmen.

Unterdessen machte Präsidentin Dilma Rousseff vor dem Start der Fußball-WM klar, dass die Sicherheitskräfte keine Toleranz im Falle möglicher Krawalle zeigen werden. "Wir sind ein demokratisches Land, und wir respektieren das Recht der Menschen zu demonstrieren", sagte sie. Doch es werde nicht die "geringste Rücksichtnahme" gegenüber Randalierern geben. Die Regierung werde auch "die Sicherheit aller Touristen garantieren".

Für Donnerstag wurden nach örtlichen Medienberichten in São Paulo vereinzelt Protestaktionen angekündigt. Am Nachmittag wird in der Millionenmetropole die WM mit einer 25-minütigen Show in der Corinthians-Arena eröffnet. Anschließend findet die Auftaktpartie Brasilien-Kroatien statt. Zu dem Spiel wird auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon erwartet.

An Rios Copacabana herrscht bereits seit Tagen WM-Feststimmung. Tausende Fans aus allen Teilnehmerländern zogen am Vorabend der WM-Eröffnung bis tief in die Nacht in Nationaltrikots und Landesfahnen über die Strandpromenade. Einige übernachteten am Strand. Restaurants, Kneipen und Straßen sind mit Fahnen und Girlanden in den brasilianischen Nationalfarben Gelb-Grün geschmückt. Vor allem argentinische Fans zeigten sich am Zuckerhut überzeugt, dass ihre "Albiceleste" es ins Finale in Rio schafft. Bis zum 13. Juli aber ist es noch ein weiter Weg.

SIMRJ

Bericht "O Globo"