Bonn (dpa) - Es ist eine in ihrer Art einzigartige Schau. Erstmals sind zwei ausgewiesene Kenner afrikanischer Kunst darangegangen, afrikanische Bildhauerkunst in Bezug zu den jeweiligen Künstlern zu setzen.

Zugleich wird ein spannender Einblick in einen ganzen Kulturkreis gewährt. "Afrikanische Meister - Kunst der Elfenbeinküste" zeigt 200 Meisterwerke, Figuren und Masken, von mehr als 40 Künstlern aus den vergangenen 200 Jahren. Die Ausstellung ist eine Koproduktion der Bundeskunsthalle mit dem Züricher Museum Rietberg und ist vom 28. Juni bis zum 5. Oktober in Bonn zu sehen.

Die Elfenbeinküste gilt nach Aussage von Kurator Eberhard Fischer, dem langjährigen Direktor des Museums Rietberg, und dem Afrika-Kurator des Museums, Lorenz Homberger, als eine der wichtigsten Regionen für afrikanisches Kunstschaffen. Die Region umfasst das Küstengebiet und das Hinterland zwischen der "Pfefferküste" (Sierra Leone und Liberia) und der Goldküste (Ghana). Die ausgestellten Figuren stammen hauptsächlich aus dem 19. und 20. Jahrhundert, aus vorkolonialer und kolonialer Zeit.

Gezeigt werden die Werke der großen Meister der Guro, Baule, Dan, Senufo, Lobi sowie der Lagunen-Völker. Skulpturen aus Afrika werden im Westen seit Aufkommen des Kubismus durch Braque und Picasso als großartige Kunstwerke wahrgenommen und seither auch gehandelt. Fast alle bedeutenden Werke afrikanischer Bildhauer kamen laut Fischer vor 1970 in die USA und nach Europa. Zur Ausstellung haben daher zahlreiche bedeutende Museen aus den USA und Europa mit Leihgaben beigetragen. Die Masken und Figuren sind in der Regel nicht signiert. Anhand der Formen und Techniken und mit den Erkenntnissen aus jahrzehntelanger kunstethnologischer Forschung gelang es Fischer und seinem Team, die Stücke einem Meister oder ihren Werkstätten zuzuordnen.

Zahlreiche Kurzfilme dokumentieren die Arbeitsweise der Bildhauer, die in ihren Dörfern angesehene Persönlichkeiten waren und sind. Die Besucher erhalten Aufschluss über deren Rolle in der Gesellschaft, über die Arbeitsbedingungen in den Werkstätten, aber auch über die jeweiligen Schönheitsideale.

Sechs Kunstregionen der Elfenbeinküste werden mit jeweils etwa zehn Meistern vorgestellt, die für ihre figürliche Kunst berühmt sind. Die ethnischen Grenzen waren schon immer durchlässig. Besonders im 19. und 20. Jahrhundert beeinflussten sich benachbarte Ethnien kulturell. Das wird auch in den Skulpturen und Masken deutlich.

Ein erster Höhepunkt im umfangreichen Begleitprogramm zur Ausstellung wird am Donnerstag der Auftritt des Bundesjazzorchesters mit Profimusikern aus Westafrika sein. Das Programm wird aus Kompositionen der Gastmusiker, klassischen Jazzstücken sowie Werken von Gastdirigent Mike Herting bestehen. Das Bundesjazzorchester hatte im vergangenen Jahr Westafrika bereist und war bei den Auftritten von afrikanischen Musikern unterstützt worden.

Afrikanische Meister