Bagdad (dpa) - Kämpfer der extremistischen Isis-Milizen haben nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) im Nordirak bei Massenexekutionen mindestens 160 Menschen getötet.

Ausgewertete Fotos und Satellitenaufnahmen aus der Stadt Tikrit gäben starke Hinweise auf ein "schreckliches Kriegsverbrechen", teilte HRW mit. Es seien jedoch weitere Untersuchungen notwendig.

Auswertungen der Menschenrechtsorganisation ergaben demnach, dass Isis-Kämpfer an mindestens zwei Stellen zwischen 160 und 190 Menschen getötet hätten. Die Zahl der Opfer könnte auch noch deutlich höher sein, erklärte HRW. Isis-Kämpfer hatten Tikrit am 11. Juni eingenommen.

Die Extremisten vermeldeten laut HRW einen Tag später über Twitter, sie hätten 1700 "schiitische Angehörige der Armee" getötet. Sie verbreiteten zudem Videos und Fotos. Auf den Bildern ist zu sehen, wie vermummte Bewaffnete auf am Boden liegende Männer in Zivilkleidung zielen. Am 22. Juni bestätigte Iraks Minister für Menschenrechte den Tod von 175 Soldaten der irakischen Luftwaffe.

Tikrit ist die Geburtsstadt des früheren Diktators Saddam Hussein. Der Ort liegt etwa 170 Kilometer nördlich der Hauptstadt Bagdad.

Die sunnitischen Isis-Milizen und ihre örtlichen Verbündeten hatten Anfang Juni ihren Vormarsch im Irak begonnen. Sie beherrschen mittlerweile große Teile im Norden und Westen des Landes, darunter strategisch wichtige Ort. Bei den Kämpfen sind bereits mehr als 1000 Menschen ums Leben gekommen. Ziel der Terrorgruppe Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) ist es, nach Bagdad zu marschieren und ein Kalifat zu errichten.

Isis-Einheiten und Soldaten der irakischen Armee liefern sich an verschiedenen Orten weiter Gefechte. Dabei gibt es widersprüchliche Angaben über Erfolge. Aus irakischen Sicherheitskreisen hieß es, Einheiten der Regierung hätten die Universität von Tikrit eingenommen.

Ein Sprecher der Aufständischen wies dies jedoch in einem Interview des Nachrichtenkanals Al-Arabija zurück. Der Sender meldete zugleich, Isis-Kämpfer hätten den Ort Mansuria al-Dschabal rund 120 Kilometer nördlich von Bagdad eingenommen.

US-Außenminister John Kerry führt in Saudi-Arabien Gespräche über die Lage im Irak und in Syrien. Kerry hatte die irakischen Politiker aufgerufen, eine Einheitsregierung zu bilden, die Schiiten, Sunniten und Kurden gleichermaßen repräsentiert. So sollen der Isis-Vormarsch gestoppt und der Zerfall des Landes verhindert werden. Iraks Ministerpräsident Nuri al-Maliki lehnt eine "Regierung der nationalen Rettung" jedoch ab.

Mitteilung HRW