Avignon (dpa) - Die Intendanz des Theaterfestivals in Avignon war sein Traum. Nun könnte sie für Olivier Py zu einem Alptraum werden. Wegen einer Streikbewegung von Bühnentechnikern und Künstlern musste der 48-Jährige die Eröffnungsveranstaltungen seines ersten Festivals als Leiter am Freitag absagen.

Weitere punktuelle Absagen und Protestaktionen drohen. Die Streikenden, die nur befristete Engagements haben, protestieren gegen eine Reform ihrer spezifischen Arbeitslosenversicherung. In Avignon ruft der Protest das Schreckgespenst von 2003 in Erinnerung. Damals war das gesamte Festival einem Streik zum Opfer gefallen.

In den kommenden drei Wochen werden in Avignon weniger die Theater- und Ballettstücke im Mittelpunkt stehen, als vielmehr die Frage, welche der Aufführungen stattfinden kann. Denn die Streikenden werden täglich bei einer Generalversammlung darüber abstimmen, ob am Folgetag weiter protestiert wird oder nicht.

Die freischaffenden Künstler und Techniker aus Tanz, Theater, Musik und dem audiovisuellen Sektor - die in Frankreich "intermittents" heißen - protestieren gegen eine Reform ihrer Arbeitslosenversicherung, bei der die Regierung finanzielle Einschnitte vornehmen will. Das 1936 gegründete System basiert auf der Anzahl von Arbeitsstunden, was zur Folge hat, dass einige höhere Auszahlungen beziehen als andere. Schon 2003 streikten die "intermittents" in Avignon gegen die Reform des Systems, die vor allem von den Geringverdienern im Kulturbereich gefürchtet wird.

Bereits bei der Generalprobe des Kleist-Stücks "Prinz Friedrich von Homburg", das am Freitag zur Festivaleröffnung im Ehrenhof des Papst-Palasts aufgeführt werden sollte, kam es zu Protesten. Streikende hatten die Schauspieler mitten im Spiel unterbrochen. Dabei kam es zu heftigen Auseinandersetzungen. Denn nicht alle unterstützen den Streik. Das Szenario, dass einige Künstler auftreten wollen, jedoch von streikenden "intermittents" daran gehindert werden, könnte sich in den kommenden Tagen wiederholen.

Die Streikbewegung hat in den vergangenen Wochen bereits zur Absage mehrerer Festivals und Aufführungen geführt. In Montpellier konnte im Juni keine einzige Vorstellung des dreiwöchigen Printemps des Comédiens stattfinden. Die Organisatoren des Opernfestivals in Aix-en-Provence hatten mehr Glück. Die Eröffnung am Mittwoch fand ohne Störung statt.

Avignon-Leiter Py hat die Kosten für die Absage der beiden Eröffnungsveranstaltungen auf 29 000 Euro geschätzt. Der Verlust durch die Annullierung des gesamten Festivals 2003 wurde damals auf mehr als 2,5 Millionen Euro beziffert.

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