Berlin/Neuss (dpa) - Trotz eines Langzeit-Tiefs bei den Firmeninsolvenzen in Deutschland stecken viele Unternehmen nach Einschätzung der Wirtschaftsauskunftei Creditreform in finanziellen Schwierigkeiten.

Ein Grund für den zu positiven Gesamteindruck seien die niedrigen Zinsen, die angeschlagene Betriebe vor dem Aus retten würden, sagte Michael Bretz aus der Geschäftsleitung von Creditreform der "Welt am Sonntag": "Die günstige Finanzierungssituation führt dazu, dass derzeit auch schwache Unternehmen überleben."

Die geringe Zahl der tatsächlichen Insolvenzen dürfe nicht über das Ausmaß der Probleme in anfälligen Firmen hinweg täuschen, warnte Bretz. Laut Statistiken, die der Zeitung vorliegen, sind bundesweit aktuell rund 272 000 Unternehmen unsolide finanziert - gemessen an Kriterien wie der verspäteten Bezahlung von Rechnungen oder zu geringem Eigenkapital. Dies entspreche einer Quote von 7,5 Prozent.

Die insgesamt gute Konjunktur hat im ersten Halbjahr nach Creditreform-Angaben von Ende Juni indes für einen Tiefststand bei der Zahl der Firmenpleiten gesorgt. Sie sank um 9,1 Prozent auf 12 100 - das ist der geringste Wert seit Einführung der neuen Insolvenzordnung 1999. Auch bei den Privatinsolvenzen gab es einen Rückgang um 4,4 Prozent auf 43 800 Menschen.