Berlin (dpa) - Als Crosby, Stills, Nash & Young 1974 eine Reunion-Tournee planten, konnten die Stadien für ihre Auftritte gar nicht groß genug sein. Denn das Promi-Quartett war damals eine der beliebtesten und bedeutendsten Bands der Welt.

Wenn man heute Bilder von diesen Konzerten sieht, die vier Musiker und ihre drei Begleiter an Bass, Schlagzeug und Percussion inmitten von Zehntausenden Fans in riesigen Arenen, dann bekommt man einen Eindruck von der ungeheuren Popularität dieser Folkrock-Supergroup. Neil Young und Stephen Stills waren bei Buffalo Springfield berühmt geworden, Graham Nash bei den britischen Beatles-Konkurrenten The Hollies, David Crosby bei The Byrds. Zusammen hatten sie 1969 einen legendären Auftritt in Woodstock hingelegt und dann mit "Déjà Vu" eine Platte veröffentlicht, die bis heute alle Bestenlisten ziert.

Ohne neues Material gingen die für ihren perfekten Harmoniegesang gepriesenen, aber oft zerstrittenen Hippies auf eine Tournee durch 24 Städte in Nordamerika und Großbritannien, die jetzt erstmals mit der aus drei CDs und einer DVD bestehenden Pracht-Box "CSNY 1974" (Rhino/Warner) dokumentiert wird. Ein 188-seitiges Booklet bietet viele unveröffentlichte Fotos, aufschlussreiche Liner Notes und alle Fakten zu den 40 Live-Aufnahmen. Die DVD enthält acht restaurierte Video-Performances aus dem Archiv.

Drei Stunden und länger dauerten die Konzerte, und sie enthielten alle wichtigen Lieder der Band-Historie in glühend-elektrischen oder auch abgespeckt-akustischen Versionen - von "Helpless" über "Almost Cut My Hair" und "Teach Your Children" bis zu "Our House" und "Ohio". Aber auch viele Solostücke waren zu hören, wobei vor allem die von Neil Young herausragten: "On The Beach", "Don't Be Denied" oder "Old Man" wurden in fantastischen Live-Fassungen zelebriert. Überhaupt sind die Qualität des Zusammenspiels, die pure Freude am gemeinsamen Musizieren und die Gesangsleistungen atemberaubend - man wäre gern dabei gewesen.

Dass diese aus vier Superstars bestehende Band ein äußerst fragiles Gebilde war - das zwar bis heute immer mal wieder miteinander auftritt, aber nur nach langen Auszeiten -, machte kürzlich Graham Nash nochmals deutlich: "Die Kunst besteht darin, sich auf das Wichtigste so einer komplexen Beziehung zu konzentrieren, und das war immer die Musik. Aber es ist eine schwierige Angelegenheit", sagte der 72-Jährige dem "Kultur Spiegel". Die "CSNY 1974"-Box feiert das Gelingen dieser "komplexen Beziehung" des grandiosen Quartetts vor genau 40 Jahren.

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