Rio de Janeiro (dpa) - "Das ist Sport. Das ist Fußball. Aber es ist schwer, auf diese Weise zu verlieren", sagte Brasiliens bekanntester TV-Moderator Galvão Bueno.

Das historische 1:7 von Brasilien gegen Deutschland könnte sich nach dem Maracanaço von 1950, der WM-Finalniederlage Brasiliens gegen Uruguay, zu einem weiteren nationalen Trauma entwickeln.

"Enttäuschung. Es ist eine furchtbare Enttäuschung. Traurig. Es gibt keine Worte", sagte der Brasilianer Luis nach dem "Inferno", das er auf dem Bildschirm in einer Bar an der Copacabana verfolgte.

Auch Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff zeigte sich geschockt. "Wie alle Brasilianer bin ich sehr, sehr traurig über die Niederlage. Es tut mir immens leid für uns alle, für die Fans und unsere Spieler", twitterte sie nach dem Spiel in Belo Horizonte. "Aber wir lassen uns nicht brechen. Brasilien, schüttel' den Staub ab und steh wieder auf", ermutigte sie ihre Landsleute. Am Sonntag wird sie nach dem Finale in Rio de Janeiro den Pokal an dem WM-Sieger übergeben. Wie sehr hatte sie und mit ihr 200 Millionen Brasilianer gehofft, dass die Trophäe an die Seleção geht.

In Rio de Janeiro zog sich der ansonsten strahlendblaue Himmel pünktlich zum Spielbeginn zu. Schwere dunkle Wolken verdüsterten den Horizont, doch da hatten die 20 000 Fans am FIFA-Fanfest noch keine Vorahnung. "Eu sou Brasileiro com muito orgulho, com muito amor", sangen sie aus voller Kehle. "Ich bin Brasilianer mit viel Stolz, mit viel Liebe." Doch die Gesänge wurden schon nach dem ersten Tor schwächer und nach jedem weiteren der sieben Tore immer leiser, bis zu dann verstummten. "Das ist ein enormer Schmerz. Ein Schmerz, eine Traurigkeit, eine enorme Traurigkeit", sagte der Brasilianer Carlos fassungslos nach dem Abpfiff.

Dass Deutschland ein schwerer Gegner sein würde, das war den meisten brasilianischen Fans bewusst. Und das es ohne Superstar Neymar noch schwerer würde, auch das hatten die meisten geahnt. Sie hielten sich Pappmasken mit dem Konterfei des 22-Jährigen vors Gesicht, die sie aus den Zeitungen ausgeschnitten hatten. Wenigstens so sollte der verletzungsbedingt fehlende Neymar präsent sein. Doch alles half nichts. Die Fans sahen ihre Seleção untergehen im Spiel gegen die überstarken "Germânicos".

"Das war ein Tag der Demütigung", sagte TV-Kommentator Galvão und ließ ein Bild von einen herzzerbrechend weinenden brasilianischen Jungen einblenden. "Wie lange wird es wohl dauern, bis er sich davon erholt", fragte Galvão. Der Ex-Stürmer Ronaldo "Fenômeno", der bei Globo als Co-Kommentator fungierte, sprach von einem sehr traurigen Tag. Aber er übte sich auch in Zweckoptimismus: "Wir sind die einzigen Fünffach-Weltmeister. Wir können stolz sein, Brasilianer zu sein." Und selbst Brasiliens Nationalcoach Luiz Felipe Scolari erklärte: "Das Leben geht weiter."

Zweckoptimismus hatten die deutschen Fans nicht nötig, denn das Ergebnis war eindeutig. Im Goethe-Institut in São Paulo verfolgten rund 500 Deutsche und Brasilianer bei Sauerkraut, Weißwürsten und Caipirinha gemeinsam die Partie. "Die demontieren die Seleção", sagte ein Brasilianer schon beim 0:4. Beim 0:5 herrschte dann ungläubige Ruhe auf beiden Seiten. Nach dem Schock der ersten Halbzeit nahmen auch die brasilianischen Fans den weiteren Spielverlauf weitgehend mit Humor und stimmten sogar "Super Neuer!" an. "Ich hoffe einfach, dass es nicht noch schlimmer kommt", sagte ein Brasilianer während der Partie. Aber es kam schlimmer zumindest für die Seleção.

Für die DFB-Elf und ihre Fans war es ein "Tag, der dürfte nie vergehen". Während für die Brasilianer der "Hexa"-Traum vorbei ist, machen sie nun die deutschen WM-Touristen alle auf den Weg zum Zuckerhut. Viele Deutsche werden am deutschen Fan-Treff "TOR!" wenige hundert Meter vom FIFA-Fanfest an der Copacabana das Endspiel verfolgen. Dort floss auch am Dienstag reichlich Freibier. Aber der Gratis-Zapfhahn wurde nach dem dritten Tor dann doch zugedreht. Aber keine Sorge: Am Sonntag zum Finale soll es wieder Freibier geben.