Moskau/Donezk (dpa) - Mit der Ablehnung direkter Gespräche haben Separatisten und Regierung in der Ukraine-Krise die Angst vor neuer Gewalt geschürt. Verhandlungen werde es nur unter internationaler Vermittlung geben, betonte Valeri Tschaly von der Präsidialverwaltung in Kiew am Mittwoch.

Die in den Großstädten Donezk und Lugansk verschanzten Aufständischen verlangten vor einem möglichen Treffen die Freilassung inhaftierter Gesinnungsgenossen.

Bei Gefechten kamen der Armee zufolge drei Soldaten ums Leben. Bei Donezk sprengten die Separatisten eine Eisenbahnbrücke, um dem Militär die geplante Blockade der Millionenmetropole zu erschweren.

Medien in Kiew spekulierten, ob es an diesem Sonntag in Rio de Janeiro zu einem Treffen zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Kremlchef Wladimir Putin kommen könnte. Beide reisen zum Finale der Fußball-WM nach Brasilien. Russland soll die nächste WM 2018 ausrichten. Merkel und Putin hatten in den vergangenen Wochen mehrfach telefonisch über die Krise in der Ukraine gesprochen.

Die ukrainische Führung forderte von Moskau die sofortige Freilassung einer ukrainischen Armeeoffizierin. Die Frau sei entführt und nach Russland verschleppt worden, sagte ein Regierungsmitarbeiter. Moskau wies dies zurück. Die Pilotin müsse sich wegen des Todes von russischen Kriegsberichterstattern in der Ukraine vor Gericht verantworten, sagte Justizsprecher Wladimir Markin. Der Fall verschlechtert die Beziehung der Nachbarn weiter.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow forderte mit Nachdruck eine bedingungslose beiderseitige Feuerpause. "Die ukrainische Regierung muss aufhören, die Gegenseite als Terroristen zu bezeichnen und immer neue Ultimaten an sie zu stellen", sagte Lawrow.

Der seit Monaten andauernde bewaffnete Konflikt stelle die Führung in Kiew auch finanziell vor enorme Probleme, räumte Ministerpräsident Arseni Jazenjuk ein. Für erste Infrastrukturprojekte im Raum Donezk und Lugansk benötige die Regierung umgerechnet rund 500 Millionen Euro. "Es ist unklar, woher wir dieses Geld nehmen", sagte Jazenjuk. Die Ukraine erhält schon Milliarden von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF).

Die prorussischen Aufständischen forderten von der Regierung unter anderem Fluchtkorridore für die Zivilbevölkerung in den Regionen Donezk und Lugansk. Zudem müsse die Führung in Kiew Aufklärung geben über das Schicksal von 400 "vermissten" Kämpfern. "Sie werden als Geiseln gehalten. (...) Präsident Petro Poroschenko sollte vor das Haager Kriegsverbrechertribunal", sagte Separatistenanführer Andrej Purgin der russischen Tageszeitung "Komsomolskaja Prawda" (Mittwoch).

Purgin sprach sich für mehr Teams der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in der Ostukraine aus. "Wir brauchen etwa 400 Beobachter, davon sollten 150 aus Russland stammen." In der Vergangenheit hatten die Aufständischen etwa in Slawjansk immer wieder OSZE-Mitarbeiter entführt. Separatistenanführer Igor Girkin ("Strelkow") sagte, die militanten Gruppen wollten im Kampf gegen Regierungseinheiten nun eine "Berufsarmee" gründen. Angehörige der "Volkswehr" sollten bis zu umgerecht 500 Euro Monatssold erhalten.

Analyse: Putins Ukraine-Politik, Carnegie, engl.