Seeheim/Frankfurt (dpa) - Die unter Kostendruck stehende Lufthansa tritt die Flucht nach vorn an. Mit einem auf Europa und möglicherweise die gesamte Welt ausgeweiteten Billigkonzept in der Markenfamilie "Wings" will Europas größter Luftverkehrskonzern wieder höhere Gewinne einfliegen.

Bereits im Frühjahr sollen vom Schweizer Flughafen Basel die ersten Eurowings-Jets zu europäischen Zielen starten, wie der neue Lufthansa-Chef Carsten Spohr in Seeheim bei Frankfurt ankündigte. Die Lufthansa-Tochter Swiss werde sich zeitgleich von dem Baseler Flughafen zurückziehen, wo zudem die britische EasyJet fliegt.

Eurowings soll bis zu 23 Jets vom Typ Airbus A320 erhalten und damit aus dem Stand zur Nummer drei im europäischen Punkt-zu-Punkt-Verkehr werden. Dazu gehören auch 13 Jets, die eigentlich der Lufthansa zugehen sollten. Germanwings bleibt für die Verkehre von und nach Deutschland außerhalb der Drehkreuze Frankfurt und München zuständig.

Auf der Langstrecke will Lufthansa das Angebot unter einer weiteren, noch nicht benannten Marke mit bis zu neun Jets starten. Gespräche mit Turkish Airlines als möglichen Partner seien bereits fortgeschritten, sagte Spohr. Man könne aber auch allein beginnen. Erste Flüge werde es voraussichtlich im Winter 2015/2016 von den Flughäfen München, Köln-Bonn und Düsseldorf geben.

Lufthansa plant, die verschiedenen Wings-Gesellschaften in einer Holding zusammmenzufassen, die ihren Sitz wahrscheinlich nicht in Deutschland haben werde. In Frage kämen die Kernmärkte Schweiz, Österreich oder Belgien, sagte Spohr. Bislang fliegt Eurowings mit kleineren Bombardier-Jets ausschließlich im Auftrag der Germanwings und ist laut Spohr wegen geringerer Pilotengehälter noch einmal kostengünstiger als diese. Germanwings operiert zu etwa 20 Prozent geringeren Kosten als die Lufthansa-Passage und soll 2015 in die schwarzen Zahlen fliegen.

Neben dem neuen Billigkonzept, das auf Crews außerhalb der bestehenden Lufthansa-Tarife setzt, soll die Qualität der Muttermarke sowie die Marktstellung der erfolgreichen Tochtergesellschaften etwa für Catering, IT und Flugzeugtechnik gestärkt werden. Lufthansa müsse wieder der Maßstab der Branche sein. Spohr kündigte ein zusätzliches Investitionspaket von rund 500 Millionen Euro an, aus dem unter anderem ein Innovationszentrum in Berlin gegründet werden soll.

Der Lufthansa-Chef bekräftigte die vor einigen Wochen zurückgenommene Prognose von rund 1 Milliarde Euro operativen Gewinns für dieses Jahr. Zur Verbesserung der Produktivität werde man aus dem Winterflugplan zehn Fracht- und Passagierflugzeuge herausnehmen.