Arenberg (SID) - Titelverteidiger Christopher Froome schlitterte ungebremst ins Desaster, Herausforderer Alberto Contador kassierte eine heftige Niederlage: Der Ausritt in die "Hölle des Nordens" hat bei der 101. Tour de France für das erwartete Drama gesorgt und dem Kampf um das Gelbe Trikot eine neue Wendung gegeben. Am Ende der denkwürdigen und von Stürzen geprägten fünften Etappe konnten nur die wenigsten Fahrer so ausgelassen jubeln wie der niederländische Tagessieger Lars Boom oder Vincenzo Nibali, der zum neuen Top-Favoriten auf den Gesamtsieg aufstieg.

Wie kein Zweiter musste Froome leiden, der Vorjahressieger erlebte den wohl bittersten Moment seiner Karriere. Nach seinem zweiten Sturz des Tages gab der 29-jährige vom Team Sky das Rennen verletzt auf, 65 Kilometer vor dem Ziel stieg er mit schmerzverzerrtem Gesicht und Tränen in den Augen in ein Teamfahrzeug. Für Froome war es die Fortsetzung einer Pechsträhne bei der diesjährigen Tour, bereits am Dienstag war er gestürzt und hatte sich unter anderem am linken Handgelenk verletzt.  

Als Froome längst verschwunden war, kämpfte sich der Rest des Feldes durch die nach heftigen Regenfällen matschigen und äußert rutschigen Kopfsteinpflaster-Passagen des Frühjahresklassikers Paris-Roubaix. Ursprünglich waren neun der gefürchteten Pavé-Sektoren vorgesehen, aufgrund katastrophaler Streckenbedingungen strich der Veranstalter ASO davon jedoch zwei.

Der Schwierigkeit des Rennen tat die Maßnahme jedoch keinen Abbruch, fast im Minutentakt gingen die Radprofis auf der als "Hölle des Nordens" bekannten Strecke zu Boden. Contador blieb zwar im Sattel, kam mit dem rutschigen Terrain aber überhaupt nicht zurecht. Der Kletterspezialist verlor trotz einer Eskorte seines Tinkoff-Teams frühzeitig den Kontakt zu seinen Rivalen um Nibali und verlor wertvolle Zeit.

An der Spitze entwickelte sich eine unübersichtliche Rennsituation, in der Nibali aber stets die Übersicht behielt. Der Giro-Sieger von 2013 zeigte eine bärenstarke Leistung und nutzte die Schwäche Contadors eiskalt aus. Erst stellte der Astana-Kapitän eine Fluchtgruppe um Zeitfahrweltmeister Tony Martin, dann zog der 29-Jährige davon und festigte seine Führung im Gesamtklassement. Dem finalen Antritt von Belkin-Profi Boom konnte er jedoch nichts mehr entgegensetzen.

Zu den Sturzopfern zählten auch die deutschen Fahrer. Martin legte sich noch in der ersten Rennhälfte auf den Asphalt und fiel nach dem Missgeschick zunächst zurück, kämpfte sich aber wieder an die Spitze. Rund 75 km vor dem Ziel erwischte es auch den dreimaligen Etappensieger Marcel Kittel, der in einer Kurve wegrutschte und sich eine Schürfwunde am linken Oberschenkel zuzog. Auch Sprint-Rivale André Greipel machte bei einem Sturz unliebsame Bekanntschaft mit der Straße.

Nach der knüppelharten Prüfung über die Kopfsteinpflaster-Passagen des Frühjahrsklassikers Paris-Roubaix bahnt sich am Donnerstag ein weiterer Massensprint an. Marcel Kittel hat die Möglichkeit, seinen vierten Tagessieg zu erspurten. Auf den 194 km zwischen Arras und Reims finden sich nur zwei Bergwertungen der vierten Kategorie, selbst für die Sprinter kein Problem.