München (dpa) - Landler, Zwiefacher, Polka - rund 12 000 Frühaufsteher haben am Sonntagmorgen in München beim traditionellen Kocherlball im Englischen Garten in den Sommertag hineingetanzt.

Herausgeputzt in Tracht, aber auch in historischen Gewändern als Hausmädchen oder Dienstbote kamen die Ersten mit Kerzen schon um 3 Uhr morgens zum Chinesischen Turm, um sich die besten Plätze zu sichern.

Für traditionelle Klänge sorgten die Musikantengruppen Köschinger Saitentratzer und der Niederbayerische Musikantenstammtisch. Die Tanzmeister Katharina Mayer und Magnus Kaindl trugen dazu bei, dass auch Ungeübte mittanzen konnten: Sie sagten Schrittfolgen und Formationen an.

Die alte Münchner Tradition geht auf das 19. Jahrhundert zurück. Schließlich hatten früher die "Kocherl" - das Küchenpersonal, die Dienstmägde und Diener - nur in aller Herrgottsfrüh Zeit, für einen Ball. Wenn ihre Herrschaften aus der Kirche kamen, mussten sie wieder arbeiten. Wegen angeblichen Sittenverfalls verbot die Obrigkeit die Bälle Anfang des 20. Jahrhunderts. Zum 200. Geburtstag des Englischen Gartens 1989 belebte die Stadt den Brauch wieder.