Den Haag (SID) - Im niederländischen Sport ist wegen des undurchsichtigen Umgangs mit den Opfern des Flugzeugabsturzes über der Ostukraine eine Debatte über einen Boykott von Veranstaltungen in Russland entbrannt. "Ich rufe den Fußball-Verband KNVB, die Regierung und den Fußball-Weltverband FIFA auf, die WM 2018 in Russland zu boykottieren", meinte der frühere Fußball-Europameister John van't Schip am Sonntagabend via Twitter.

Beim Oranje-Sportdachverband NOCNSF zeigte Sportdirektor Gerard Dielessen Verständnis für die Forderung von van't Schip und mehreren weiteren Prominenten aus dem Sport des Landes. "Mir ist klar, dass in unserem Land eine gesellschaftliche Diskussion über dieses Thema entsteht. Das sind Aufgaben für den KNVB und den NOCNSF", sagte Dielessen der Tageszeitung De Gelderlander.

Prorussische Separatisten aus der Ukraine stehen im Verdacht, den Flug MH17 der Malaysian Airlines mit fast 300 Menschen an Bord über der Ostukraine abgeschossen, anschließende Bergungs- und Aufklärungsarbeiten behindert sowie sogar Leichen von der Absturzstelle verbracht zu haben. Die Separatisten ihrerseits beschuldigen die ukrainische Regierung des Flugzeug-Abschusses.

Dielessen erinnerte sich in seinem Zeitungsinterview auch an sein Treffen mit Russlands Staatspräsident Wladimir Putin in Anwesenheit des niederländischen Königspaares: "Ich frage mich noch immer, was diesen Machthaber antreibt. Offenkundig die absolute Macht", sagte Dielessen. 

Van't Schips Forderung nach einem WM-Boykott unterstützt der niederländische Top-Sportvermarkter Frank van den Wall Bake nachdrücklich. Der für die Ehrendivision und den NOCNSF tätige Manager spricht sich sogar für einen kompletten Boykott von internationalen Wettkämpfen in Russland aus. "Damit trifft man Putins Seele", schrieb van den Wall Bake bei Twitter.

Ein besonderes Zeichen der Trauer um die überwiegend niederländischen Todesopfer des Absturzes kündigte unterdessen Trainer Frank de Boer vom Fußball-Rekordmeister Ajax Amsterdam an: Die Ajacieden werden ihre sämtlichen Vorbereitungsspiele für die neue Saison mit Trauerlor bestreiten.