Salzburg (dpa) - Mit einer umjubelten Wiederaufnahme des "Jedermann" haben am Samstagabend die Salzburger Festspiele begonnen. Im Mittelpunkt des Zuschauer- und Medieninteresses standen Burgschauspieler Cornelius Obonya als "Jedermann" und Brigitte Hobmeier aus dem Ensemble der Münchner Kammerspiele als "Buhlschaft".

Hobmeier trug bei der abendlichen Aufführung auf dem Salzburger Domplatz eine hautenge, rote Korsage mit einem 32 Meter langen Saum, der mit Tausenden Glaskristallen besetzt ist.

Die diesjährige Aufführungsserie von Hugo von Hofmannsthals Mysterienspiel beginnt als Teil der "Ouverture spirituelle", einer Woche mit geistlicher Musik, die diesmal dem Islam gewidmet ist, bereits eine Woche vor der offiziellen Eröffnung des Festivals. Gezeigt wird die Neuinszenierung des "Jedermann" durch den US-Amerikaner Brian Mertes und den Briten Julian Crouch vom vergangenen Jahr.

Das 1911 uraufgeführte Erfolgsstück wird seit 1920 fast ununterbrochen bei den Salzburger Festspielen gegeben. Bis zu der behutsam modernisierten "Jedermann"-Interpretation des Bayern Christian Stückl im Jahr 2002 galt die pathetische Inszenierung von Festspielmitbegründer Max Reinhardt als verbindlicher Maßstab. Mit Anklängen an die Entstehungszeit der Salzburger "Jedermann"-Tradition gingen Mertes und Crouch bei ihrer Aktualisierung nun noch ein deutliches Stück weiter.

Mit Abschluss der diesjährigen Festspiel-Saison verlässt Intendant Alexander Pereira nach nur drei Jahren das Festival, um im Herbst sein neues Amt als Intendant der Mailänder Scala anzutreten.