Nîmes (SID) - Der ukrainische Radprofi Andrei Griwko will mit seiner Teilnahme an der 101. Tour de France auch ein Zeichen der Versöhnung in seine krisengeschüttelte Heimat schicken, spart dabei aber nicht mit Kritik an Russland. "Es ist wichtig, dass ich hier bei der Tour bin und eine Botschaft des Friedens mit mir trage", sagte der Astana-Profi der französischen Sporttageszeitung L'Equipe. Neben seiner Arbeit für den italienischen Gesamtführenden Vincenzo Nibali betrachte er seine Anwesenheit bei der Frankreich-Rundfahrt "als Mission".

Der 30-Jährige stammt aus Simferopol auf der Krim. Die mehrheitlich russischsprachige Halbinsel war im März nach einem umstrittenen Referendum von Russland annektiert worden. Zuvor war der prorussische Präsident der Ukraine, Viktor Janukowitsch, nach Massenprotesten entmachtet worden. Die USA und die Europäische Union betrachten das russische Vorgehen als völkerrechtswidrig und haben Sanktionen gegen Moskau verhängt.

Griwko belastet die angespannte politische Lage. "Es ist schwer, sich auf Radsport zu konzentrieren, wenn man weiß, dass die eigene Familie noch dort unten ist", sagte Grwiko, der keinen Hehl aus seiner politischen Haltung machte: "Die russische Diktatur wird in meinem Land eingesetzt, während ich auf den Straßen Frankreichs in die Pedale trete." 

Er versuche seit dem Tour-Start, regelmäßig mit seinen Angehörigen zu sprechen. "Ich habe mitbekommen, dass meine Schwester darum kämpft, den russischen Pass zu verweigern, den sie allen Einwohnern aufzuzwingen versuchen", sagte Griwko. 

Den mutmaßlichen Abschuss von Malaysia Airlines Flug MH17 am Donnerstag über der Ostukraine bezeichnete Griwko als "terroristischen Akt", die Verantwortung liege voll und ganz bei der russischen Regierung.