Kuala Lumpur (dpa) - Selbst im schlimmsten Albtraum ist so etwas fast undenkbar: Das südostasiatische Schwellenland Malaysia erlebt in weniger als fünf Monaten gleich zwei Flugzeugkatastrophen mit zusammen mehr als 500 Opfern. Nie zuvor ist eine Airline mit so einer Doppeltragödie konfrontiert gewesen.

Zwar gibt es bislang keinen Hinweis auf ein Versagen der malaysischen Behörden oder der Fluggesellschaft. Trotdem bleibt ein beispielloser Imageschaden, und den haben sich Regierung und Airline auch selbst zuzuschreiben.

"Das war das schlimmste Beispiel von Krisenkommunikation, das ich je gesehen habe", sagte PR-Berater Anthony McClellan australischen Medien nach dem Verschwinden der Malaysia-Airlines-Boeing MH370 im März. US-Medienberater Gerard Braud nutzt die verheerende Öffentlichkeitsarbeit beim Training für Krisenmanager heute als abschreckendes Beispiel.

Nach dem mysteriösen Verschwinden von MH370 wirkten Airlinevertreter und Minister konfus, uninformiert und ständig in der Defensive. Sie liefen Medieninformationen hinterher, korrigierten Angaben mehrfach, ließen sich in Spekulationen verwickeln und widersprachen sich. "Wir hatten die Kommunikation anfangs nicht im Griff, aber wir haben uns zusammengerauft", räumte Ministerpräsident Najib Razak später in einem CNN-Interview ein.

Nach dem Absturz von MH17 in der Ukraine läuft die Kommunikation besser. Aber dieses Mal ist Malaysia auch vereint mit der Welt in Abscheu gegen die Verantwortlichen. Bei MH370 stand die Airline selbst am Pranger. Die Boeing verschwand am 8. März auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking. Erst Tage später wurde klar, dass die Maschine wahrscheinlich Stunden später im Indischen Ozean abstürzte. Vom Wrack fehlt bis heute jede Spur. Es ist auch nach wie vor unklar, ob das Flugzeug einen Defekt hatte, das malaysische Militär involviert war oder die Piloten die Maschine ins Verderben lenkten.

Unabhängig von Schuld und Verantwortung sind die Katastrophen für die Fluggesellschaft der Super-GAU. Die staatliche Airline ist seit drei Jahren in den roten Zahlen, bedrängt von der erfolgreichen heimischen Billigkonkurrenz Air Asia. Die Kunden laufen davon, erst recht seit dem Verschwinden von MH370. Die Aktien sind seit Monaten im Sinkflug.

Das Unternehmen machte im ersten Quartal einen Verlust von umgerechnet 102 Millionen Euro - fast doppelt so viel wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Der staatliche malaysische Vermögensfonds Khazanah Nasional Berhad, mit 69 Prozent größter Aktionär, hat schon vor der jüngsten Katastrophe massive Restrukturierung angemahnt.

"Selbst, wenn es reiner Zufall ist: keine Fluggesellschaft hat je innerhalb von ein paar Monaten zwei große Maschinen verloren", zitiert die BBC den Analysten der MAS-Bank DVB, Bertrand Grabowski. "Man muss sich fragen, ob eine Marke so etwas überstehen kann", sagt Maybank-Analyst Mohshin Aziz der BBC. Air-Berlin-Großaktionär Etihad hat Spekulationen über eine Beteiligung an Malaysia Airlines mehrfach zurückgewiesen.

Najib bei CNN

Mohshin Aziz, Betrand Grabowski bei BBC